Dies sind keine guten Zeiten für Israel. Die Geier kreisen, und die Propheten des Untergangs weissagen, dass die Tage des Staates schon gezählt sind.

Diplomatische Isolation entsteht, und Nobelpreisträger lassen verlauten, dass Israelis sich wie Nazis benehmen - wenn nicht schlimmer.

Wo begannen die Dinge, schief zu gehen? Es ist inzwischen Mode, zu behaupten, dass es die Ursünde des Zionismus war, ein dicht besiedeltes Land zu erobern.

Aber das stimmt nicht einmal zur Hälfte. Die frühen Zionisten waren nicht blind. Sie wussten, dass Palästina nicht menschenleer war. Aber war es denn völlig aus der Luft gegriffen, zu vermuten, dass die Gegenwart von ein paar hunderttausend Nichtjuden kein unüberwindliches Hindernis für die Erfüllung ihrer Träume war?

Viele Jahre lang hatten die Kritiker Israels sich beschwert, das Land sei ein westlicher Fremdkörper in der politischen Landschaft des Nahen Ostens

es sollte sich besser kulturell, politisch und sozial integrieren. Doch in dem Maße, wie Israel langsam entwestlicht wurde und anfing, sich wie seine arabischen Nachbarn zu benehmen, gefiel es den Kritikern noch weniger.

Dann kam der Sechstagekrieg und der brillante Militärsieg. Wieder war Israel provoziert worden, es war mit der Vernichtung bedroht worden, und man kann ihm nicht vorwerfen, dass es auf den Angriff der Feinde wartete. Aber nach dem Sieg kam der vergiftete Kelch, die Eroberung des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens. Vor allem gab es die plötzliche Faszination von der Idee eines vereinigten Jerusalem, das nie wieder geteilt werden sollte. Dabei hatten alle frühen zionistischen Führer große Vorbehalte hinsichtlich Jerusalems (und nicht einer von ihnen ließ sich dort nieder). Levantinisch und orthodox im Charakter, symbolisierte es in den Augen der Zionisten die Welt, von der sie sich ablösen wollten in ihrem Bemühen, eine neue Gesellschaft zu bauen. Doch die religiös-mystischen Elemente wurden zu stark, und dies führte zu einem fatalen politischen Irrtum: Indem sie israelische Souveränität über das gesamte Jerusalem etablierten und die Verantwortung für die heiligen Stätten anderer Religionen übernahmen, halfen sie, einen an sich lösbaren Territorialdisput zwischen zwei Nationen in einen ausweglosen religiösen Konflikt zu verwandeln. Es setzte Israel gegen die gesamte restliche muslimische Welt. Das heilige Prinzip des einen und unteilbaren Jerusalem wurde mit der Zeit eine konventionelle Lüge, denn Jerusalem ist heute in jeder Hinsicht eine geteilte Stadt, genau wie vor 1967.