Hans Melchiors, Vorstand der Chemie Pensionsfonds AG, ist von seinem Produkt begeistert: "Der Fonds bietet dem Arbeitnehmer eine höhere Rendite als herkömmliche Betriebsrenten und eine optimale Transparenz." Die von den Tarifpartnern der Chemiebranche und der HypoVereinsbank gegründete Aktiengesellschaft ist der erste deutsche Pensionsfonds, der Anfang April an den Start ging. Pensionsfonds der Deutschen Telekom und der Commerzbank wurden vor kurzem ebenfalls genehmigt. Der Allianz Dresdner Pensionsfonds der MetallRente, des mit Abstand größten neuen Versorgungswerkes mit vier Millionen Arbeitnehmern, wird seit dem 8. Mai vertrieben. Und mehr als 20 weitere Anträge warten noch darauf, von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Bonn genehmigt zu werden.

Pensionsfonds dürfen erst seit dem 1. Januar neben den Klassikern Direktzusage, Pensionskasse, Unterstützungskasse sowie Direktversicherung als so genannter fünfter Durchführungsweg in der betrieblichen Altersvorsorge angeboten werden. Ebenso wie die Pensionskasse werden sie doppelt begünstigt: Der Arbeitnehmer hat, wenn er die Einzahlung in den Pensionsfonds aus seinem Nettoeinkommen finanziert, Anspruch auf die Riester-Förderung. Oder er kann einen Teil seines Bruttogehaltes steuerfrei (und bis einschließlich 2008 auch sozialabgabenfrei) in Vorsorgebeiträge umwandeln. Maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung, derzeit also 2160 Euro, können auf diese Weise jährlich für die Altersvorsorge zurückgelegt werden. "Pensionsfonds und Pensionskassen werden das Rennen in der betrieblichen Altersvorsorge machen", glaubt Melchiors deshalb.

Die neuen Pensionsfonds genießen besonders viele Vorschusslorbeeren: Sie können das ihnen anvertraute Geld vollständig in Aktien anlegen. Das erhöhe, so argumentieren die Pensionsfonds-Fans, die Rendite der Anleger. Dies allerdings ist zunächst einmal reine Theorie. Denn zum Schutz der Sparer schreibt der Gesetzgeber den Managern des Fonds - also Banken, Versicherungen oder Investmentgesellschaften - vor, bei Rentenbeginn dem Anleger mindestens die Rückzahlung der eingezahlten Beiträge zu garantieren. Richard Herrmann von der Heubeck AG, ein Spezialist für betriebliche Altersvorsorge, hält daher eine freie Kapitalanlage von mehr als 60 Prozent für unrealistisch.

Dass die erhoffte hohe Ertragskraft auch aus einem anderen Grund ein Trugschluss sein kann, hat jetzt eine Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin ergeben. "Ein Fonds kann aufgrund nicht vorhersehbarer Kapitalmarktentwicklung unter Wasser rutschen und über lange Zeit die Erwartungen nicht rechtfertigen", erläutert Manfred Guggi, Manager bei Towers Perrin Germany. Die weltweit schlechte Entwicklung der Märkte habe bei den angelsächsischen Vorbildern der neuen deutschen Fonds zu markanten Verlusten geführt. So hätten die amerikanischen ebenso wie die britischen Pensionsfonds in den beiden vergangenen Jahren rund ein Viertel ihres Wertes verloren, die kanadischen etwa 15 Prozent. Im Gegensatz zu deutschen Pensionsfonds, die immerhin eine Geld-zurück-Garantie gewähren müssen und aufsichtsrechtlich nach den strengen Regeln eines Lebensversicherungsunternehmens behandelt werden, gibt es bei den Angelsachsen keinerlei Garantien, allenfalls Leistungszusagen vom Arbeitgeber.

Produkte mit ähnlichem Risikoprofil bieten inzwischen zudem auch die neuen Pensionskassenmodelle. Wie Michael Hessling, Vorstandsmitglied der Allianz Lebensversicherung, erläutert, kann im Rahmen der neuen Allianz Pensionskasse gewählt werden: entweder das sicherheitsbetonte klassische Modell mit einem Aktienanteil von 25 bis 35 Prozent und einer garantierten Mindestverzinsung von 3,25 Prozent oder die neue fondsgebundene Pensionskasse mit Geldzurück-Garantie, also einer "Nullverzinsung", und einem Aktienanteil von bis zu 60 Prozent. Die Unterschiede zwischen der fondsgebundenen Pensionskasse und dem Pensionsfonds sind hinsichtlich ihrer Chance-Risiko-Relation also verblüffend gering. Anders als der Pensionsfonds, der mit einem einzigen Kapitalstock arbeiten kann, verteilt die fondsgebundene Pensionskasse das Anlegergeld auf zwei Töpfe, einen für die Fondsanlage und einen für die Geldzurück-Garantie. Das Vermögen des Pensionsfonds kann hingegen praktisch wie ein Spezialfonds gemanagt werden.

Im Unterschied dazu bietet die fondsgebundene Pensionskasse dem Arbeitnehmer häufig die Wahl zwischen verschiedenen Publikumsfonds, die er während der Laufzeit wechseln kann.

Martin Wagener, Vorstand der Gothaer Lebensversicherung AG, sieht deshalb bei der Entgeltumwandlung weder für den Arbeitnehmer noch für den Arbeitgeber Vorteile eines Pensionsfonds gegenüber Pensionskassen. "Freiheiten in der Kapitalanlage hat der Arbeitnehmer genauso mit fondsbasierten Produkten einer Pensionskasse. Nachteilig sind auch die höheren Kosten der Pensionsfonds.