Der Start im Jahr 1986 war ein Wagnis. Berlin war damals noch von der Mauer in zwei Hälften geteilt. Die Kunstgeschäfte wurden in Köln oder auf dem internationalen Parkett gemacht. Aber gleich die erste Auktion der Villa Grisebach sagte der Konkurrenz an, wo es langgehen sollte: 2500 Besucher kamen zur Vorbesichtigung, fünf Millionen Mark Umsatz machte die damals von fünf Kunsthändlern gegründete GmbH. Und bereits nach drei Jahren war sie das umsatzstärkste Auktionsunternehmen in Deutschland. 1988 erzielte die Villa Grisebach mit Lyonel Feiningers Ölgemälde Raddampfer III von 1928 einen ersten Weltrekord mit brutto 2,6 Millionen Mark. Genau den gleichen Preis erzielte ein Jahr später das kleinformatige Deckfarbenblatt Fabeltier II von Franz Marc aus dem Jahr 1913.

Am 7. Juni steht nun die 100. Versteigerung an. Genau 100 Werke markieren das ehrgeizige Auftrumpfen des Hauses mit einem diesmal geschätzten Umsatzvolumen von rund zehn Millionen Euro. Zum Aufruf kommen ausgewählte Werke der klassischen Moderne, darunter die den Katalog zierende dramatisch wolkenverdüsterte Landschaft über Hülltoft Hof aus dem Jahr 1932 von Emil Nolde (Taxe: 1,5 bis 2 Millionen Euro) sowie ein leuchtender Kübel mit Sonnenblumen (1,3 bis 1,5 Millionen Euro) und acht Aquarelle des während des "Dritten Reiches" als entartet gebrandmarkten Künstlers.

Aus einer privaten Sammlung in Großbritannien stammt eine Himmelfahrt aus dem Jahr 1912 von Wilhelm Morgner, auf der neun Beseelte in glühenden Farben, fast zu Linien aufgelöst, in einer fließenden Bewegung aufwärts schweben, für vergleichsweise bescheidene 120 000 bis 150 000 Euro. Eine lichtgesprenkelte Allee im Tiergarten mit Reitern und Spaziergängern aus dem Jahr 1917 von Max Liebermann wird für rund eine halbe Million Euro angeboten

außerdem eine Metaphysische Landschaft von Willi Baumeister aus dem Jahr 1955, die einmal zur Sammlung Thyssen-Bornemisza bei Lugano gehörte (140 000 bis 180 000 Euro) sowie das mit der Provenienz der aufgelösten Sammlung Ahlers ausgewiesene Gemälde Zwei Frauen auf dem Sofa von Max Beckmann aus dem Jahr 1937 für geschätzte 800 000 bis 1,2 Millionen Euro. An den Tagen davor und danach (6.

bis 8. Juni) finden in der Villa an der Fasanenstraße 25 außerdem die Fotografie-, eine Zille-Sonderauktion, die mit 353 Losen bestückte Versteigerung der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sowie ein Angebot an das kleine Portemonnaie statt: 449 zumeist grafische Blätter bis zum Schätzpreis von 3000 Euro. Ein geballtes Programm, das sich an die verschiedensten Vorlieben wendet.

Berlin ist ein besonders hartes Pflaster, das wissen auch die Teilnehmer der verschiedenen Kunstmessen von Antiquitäten bis zur zeitgenössischen Kunst.

Nach dem Mauerfall etablierten sich mit viel Geld und Nobeladressen die Marktriesen Christie's und Sotheby's an der Spree. 1991 und 1992 hielt Sotheby's je zwei Auktionen im Jahr in Berlin ab. Das Engagement wurde aber zu teuer, wie Christie's hat sich Sotheby's in bescheidenere Stadthausetagen zurückgezogen. Enttäuscht soll der Sammler Heinz Berggruen das Abschiedsdinner verlassen haben.