Es war Philip, der das Thema "Stammzellen" in seiner Familie erstmals aufs Tapet brachte. Im Frühling 1999 recherchierte der 16-Jährige für einen Vortrag an seiner katholischen Highschool in Kentucky. Im Internet stieß er auf Informationen über die Behandlung seltener Stoffwechselkrankheiten mit Stammzellen. Im April 1996 sei einem Kind mit Morbus Krabbe durch eine Knochenmarktransplantation geholfen worden das Knochenmark stammte von einem Verwandten. Ein knappes Jahr später erhielt ein anderes Krabbe-Kind Stammzellen aus der Nabelschnur eines nichtverwandten Babys.

Morbus Krabbe. Benannt nach dem dänischen Neurologen Knud Krabbe, der das Krankheitsbild 1916 als Globoidzellen-Leukodystrophie beschrieben hatte.

Leukodystrophien sind Fettspeicherkrankheiten im Hirn.

Morbus Krabbe - Philips kleiner Bruder Nick hatte das. Krabbe trifft fast ausschließlich Kinder, meist schon in den ersten drei Lebensmonaten, und lässt sie gleichsam wegdämmern. Blind und taub und starr, ohne dass sie je Mama und Papa gesagt oder auch nur einmal gelächelt hätten. Nick starb drei Tage nach seinem ersten Geburtstag.

Und dann erfuhr Philip, dass Krabbe-Kinder dank Stammzellen eine Überlebenschance hätten. "Heute", sagte er zu seinen Eltern, "könnten die Ärzte Nick vielleicht helfen." Damals ahnte Philip noch nicht, welches Drama bevorstand.

3. Februar 2002, in einem Hotelzimmer in Durham, North Carolina. Philips Mutter Anne Rugari hat Tränen in den Augen, als sie diese Geschichte erzählt.

Etwas abseits in ihrem Laufstuhl sitzt Gina. Immer wieder taucht die Zweijährige ihren nassen Zeigefinger in Zuckerstreusel, die Anne in eine Vertiefung des Laufstuhls gefüllt hat, und schleckt ihn genüsslich ab. "All done", "fertig", sagt sie kaum vernehmlich. Alle Streusel weg.