die zeit: Sie wollen die Zukunft der Internet-Wirtschaft erspüren, indem Sie "die Dinge betrachten, die gleich bleiben". Geht man so mit Revolutionen um?

James W. Moore: Es klingt nicht sehr sexy, aber ich fand das einen unheimlich ergiebigen Denkansatz. Dotcom-Crash hin oder her, das Internet hat unsere Art zu arbeiten und zu wirtschaften radikal verändert. Aber die Natur dieser Veränderungen kann man oft am besten analysieren, indem man sich fragt, was sich eben nicht verändert. Internet und Mobiltelefone lassen uns immer mehr Aktivitäten in unseren Arbeitstag zwängen - aber der Arbeitstag selbst ändert sich nicht. Und auch die Kapazität der Menschen, mit einem bestimmten Maß an Arbeitsbelastung sinnvoll umzugehen und dabei überhaupt noch einen klaren Gedanken zu fassen, bleibt gleich.

zeit: Das Internet überfordert uns?

Moore: Das Internet bringt uns eine gewaltige Datenflut - aber die wollen wir eigentlich gar nicht. Wir wollen weiterhin eine überschaubare Menge guter, verlässlicher und relevanter Daten. Wer solche Dinge erkennt, identifiziert künftige Knappheiten. Und das weiß jeder Ökonom: Knappe Güter versprechen die größten Gewinne.

zeit: Zum Beispiel der Schutz der Privatsphäre.

Moore: Ja, mit der Privatsphäre und dem Internet ist es ein wenig wie mit der Seele und dem Teufel: Wenn man sie einmal verkauft hat, bekommt man sie nur sehr schwer wieder zurück. Es gibt heute immer mehr Möglichkeiten, jemanden im Internet zu identifizieren und sehr viel über ihn herauszufinden - wer er ist, was er besitzt, was er will. Die Computer werden immer schneller, die Datenbanken immer besser miteinander verbunden. Wir werden alle ein bisschen so wie Popstars, die quasi nichts mehr verheimlichen können, weil hinter jedem Busch ein Paparazzo lauert. Was machen Popstars? Sie reisen mit großem Aufwand anonym um die Welt, buchen sich unter Pseudonymen im Hotel ein, machen Urlaub an sehr geheimen Orten in der Karibik. Alles, um ihr letztes bisschen Privatsphäre zu verteidigen.

zeit: Wir reden jetzt von Luxusgütern für eine sehr kleine Gruppe von Leuten, nicht von einem Massenmarkt ...