Gern wird der cornershop, der praktische Eckladen nebenan, im englischen Theater als Referenz- und Interaktionspunkt verschiedener Generationen und Communities gewählt. So auch in Douglas Maxwells Stück Helmet am Londoner Soho Theatre (bis 1. Juni, 5.-9. Juni, Tron Theatre, Glasgow). Diesmal ist er mit Videospielen wie Deathtime Bonanza Two ausstaffiert und dient als Modell für Existenzgründung und sozialen Aufstieg. Doch der Laden des British Asian Sal (Ameet Chana) geht Pleite, plattgemacht von der Filiale des Großkonzerns gegenüber. Oder ist doch ein Typ wie Roddy (Tommy Mullins) schuld, der im Shop seiner Lebenstragödie virtuell entfliehen will, dort aber nur rumsteht und die zahlende Kundschaft verprellt? Strukturiert ist das Stück wie ein Playstation-Spiel, es gibt Level statt Akte und eine Energieanzeige am Rand der Bühne. Empfehlenswertes Stück - für Jugendzentren in strukturschwachen Gebieten. Ebenfalls im Virtuellen siedelt The PowerBook am National Theatre (noch bis 4. Juni) nach dem Roman von Jeanette Winterson. Die großartige Fiona Shaw spielt die Hüterin eines ganz anderen Ladens: Am Computer schreibt sie für anonyme Kunden Geschichten, die Freiheit für eine Nacht versprechen und von glamourösen und ruinösen Paaren berichten. Sich selbst noch einmal in der E-Mail-Korrespondenz erfinden, jenseits aller Zuschreibungen, die Biologie und Biografie so vorbeibringen - so lautet das zeitgemäße Versprechen. Neu ist das natürlich ebenso wenig wie das scheherazadische Moment, mit dem die Geschichtenerzählerin versucht, den Lauf der Welt zu bannen und ihre Geliebte (Pauline Lynch) an der Angel zu behalten. Doch sowohl das faszinierende Zusammenspiel der beiden als auch das techno-romantisch kühle, aber nie bloß deko-coole Bühnenbild sind ein Genuss.

Übrigens von einer Sorte, den man allein vor dem Rechner auch bei noch so hoher Bildschirmauflösung und Übertragungsgeschwindigkeit so schnell nicht erleben wird.