Den ersten Preis für die brillanteste Teuro-Strategie erhält unser Stammlokal hinterm Hamburger Pressehaus: Das Lammfilet kostet genauso viel wie im Zeitalter v. E. ("vor Euro"), doch Kartoffel und Kräuterbutter werden mit drei Euro extra berechnet. 30 Prozent Preistreiberei, und keine Statistik wird es je merken. Den deutschen Grand-Prix-Preis (Platz 21) erhält unsere Verbraucherministerin Renate Künast, welche die üblichen Verdächtigen zum "Anti-Teuro-Gipfel" einberufen will: Gewerkschaftler, Arbeitgeber, Vertreter des Handels. Bloß die Kirchen fehlen.

Herauskommt eine wunderbare ABM für Divisionen von special forces im Preiskrieg. Sie sickern ein in Stadt und Land, in Nord und Süd. Sie verhören Wirte und Ladenschwengel, um die alten D-Mark-Preise aus ihnen herauszuquetschen. Und nach dem Vergleich? Ab in Umerziehungslager? Rollback im Namen von Bild und Staat? Das bringt die zweite ABM - für Anwälte und Gerichtsdiener, die mit Tausenden von Klagen hantieren müssen, weil in diesem Land der Staat zum letzten Mal 1990 die Preise machen durfte.

Abgesehen von den ABM, wird also der Runde Tisch so nützlich sein wie das Bündnis für Arbeit. Nur dass der Bürger gegen die Tarifparteien nichts unternehmen kann, weil diese den Preis für Arbeit tatsächlich verfügen dürfen. Doch des Verbrauchers beste Waffe gegen den Teuro ist sein Euro. Er muss ihn nur zurückhalten oder anderswo platzieren. Wir gehen nicht mehr Lamm essen hinterm Pressehaus

wir essen den in hübschen Plastikwannen servierten Salat aus der Kantine - zum alten Preis. Josef Joffe