Sein Bart kennt sie alle. Ständig liegen drei Elektrorasierer im Badezimmer von Klaus Grawemeyer. Einer von Braun, einer von Philips, einer von Remington. Jedes neue Modell am Markt probiert er an sich selber aus.

Deshalb kann er den Männern auch sagen, warum sie besser den Remington Microscreen TCT 3 kaufen sollten, wenn sie starken Wuchs und dicke Stoppeln haben.

Grawemeyer ist der Veteran der Hamburger Bartpflegeszene. Drei kleine Läden in der Hansestadt gehören dem 61-Jährigen. Auf jeweils ein paar Quadratmetern verkaufen er, seine Frau und sein Sohn Elektrorasierer - nebst zugehöriger Dienstleistung. "Nach eineinhalb Jahren muss man die Geräte mal ordentlich durchputzen, sonst macht das 30 Prozent weniger Leistung", sagt er. Rund 2500 neue Rasierer verkauft er im Jahr, gut die Hälfte seines Umsatzes. Fast ebenso wichtig ist das Geschäft mit Ersatzteilen, Zubehör und Wartung.

Grawemeyer hat Einzelhandelskaufmann gelernt, im westfälischen Lengerich, bei Erwin Buttke Eisenwaren. In den siebziger Jahren stieg er ins norddeutsche Scherkopf-Business ein. Damals gab es noch so etwas wie die HTZ, die Hamburger Trockenrasierer Zentrale, die sieben Läden in der Stadt hatte. Noch bis Mitte der Neunziger machte Grawemeyer zu Weihnachten das Zwei- bis Dreifache eines normalen Monatsumsatzes. Doch seit es Saturn und Media Markt gibt, läuft das Geschäft zum Fest nicht mehr. Stattdessen findet er jeden Morgen die Prospekte der Elektrokaufhäuser in der Zeitung. Gerade hat Saturn einen Braun von 199,95 Euro auf 149 gesenkt. "Auf solche Preise muss ich sofort eingehen", sagt er, "die Kunden wollen das."

Grawemeyers Rasiererläden überleben dennoch - gerade weil sie mehr bieten als Kaufhäuser. Welcher Verkäufer dort kann schon auf einen jahrzehntelangen Erfahrungsschatz zurückgreifen? Vielleicht hat Grawemeyer deswegen sogar in der Schweiz, in Österreich und Skandinavien eine treue Stammkundschaft, die im Urlaub bei ihm ihre Rasierer richten lässt. Vielleicht schicken die Väter deswegen ihre Söhne vorbei, damit die sich ihr erstes Gerät kaufen.

Weil ein gutes Modell auf weit über 100 Euro kommt, sind seine Kunden auch bereit, die Folgekosten zu zahlen - Reinigung zum Beispiel oder die Reparatur eines kaputten Schalters. Bei den großen Elektrokaufhäusern wird alles wer weiß wohin eingeschickt, und man hat wochenlang keinen Rasierer. Grawemeyer richtet das selbst - in seiner kleinen Werkstatt, die er mit einem Vorhang von dem acht Quadratmeter großen Verkaufsraum abgetrennt hat. Morgens gebracht, abends gemacht.