Vom römischen Frühling ist im Hotel Hilton nichts zu spüren. Im Gegenteil. Leicht gereizt sitzen 200 Fondsmanager im Saal und warten auf Antworten, wie die Deutsche Telekom aus der Krise kommen will - stattdessen blafft Gerhard Mischke, ein schmächtiger Finanzmanager des Unternehmens, sie vom Rednerpult aus an. "Wann bringen Sie T-Mobile an die Börse, um endlich die Schulden zu verringern?", will ein britischer Investor von ihm wissen. -

"Sie sind doch die Experten!", erwidert Mischke. Die Fondsmanager sollten ihm einfach sagen, wann der Aktienmarkt wieder anspringe, dann werde er erzählen, wann T-Mobile an die Börse geht.

Eine unnötige Irritation. Wieder eine. Was ist bei der Telekom nicht alles schief gelaufen in den vergangenen Monaten! Mal war es Pech. Oder ein fauler Kompromiss. Oder ein schlichter Fehler (siehe Kasten). Kein Ereignis war entscheidend, doch zusammengenommen schwächen sie den Konzern nachhaltig.

Erstens, weil sie seinen Handlungsspielraum verringern. Zweitens, weil das Vertrauen der Anleger schwindet - der politischen, der professionellen und der privaten.

Beim Hauptaktionär Bund - er hält 43 Prozent der Anteile - wächst die Kritik: "Keiner hat eine Lösung für das Problem." Gemeint ist Telekom-Chef Ron Sommer, seine Strategie - und die Bundestagswahl. "Er hat Karenzzeit bis nach der Bundestagswahl", heißt es in Regierungskreisen.

Bis dahin wollte Sommer eigentlich den Schuldenstand des Konzerns von 67 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro senken. Doch am Wochenende verschob Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick dieses Ziel auf Ende 2003 und kündigte gleichzeitig an, dass der Verlust der Telekom noch höher ausfallen werde als im vergangenen Jahr. Seit dem geplatzten Verkauf der TV-Kabelnetze und dem verschobenen Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile sind dem Unternehmen die Hände gebunden. Es fehlen die Mittel, um von der Schwäche der anderen zu profitieren und Konkurrenten in Europa oder den USA zu übernehmen. Soll man noch mehr Schulden machen? Oder weitere Aktien ausgeben? "Derzeit kaum vorstellbar", sagt Marcus Sander von der Privatbank Sal. Oppenheim. Noch aber wirbt die Telekom in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für ihre große Internationalisierungsstrategie.

Während sie von ausländischen Märkten redet, erhöht sie vor allem im Inland den Druck auf die Wettbewerber - über den Preis: Obwohl die Telekom rund 97 Prozent aller Telefonate im Ortsnetz und etwa 60 Prozent der Ferngespräche abwickelt, sind Umsatz und Ergebnis der entsprechenden Sparte deutlich zurückgegangen. Obwohl T-Online mit 9,2 Millionen Kunden den Großteil der deutschen Internet-Surfer unter Vertrag hat, weist das Unternehmen für das erste Quartal lediglich ein operatives Ergebnis von 21 Millionen Euro aus.