Urmenschenforscher sind nicht zu beneiden. Wir erwarten ganz Großes von ihnen. Antworten auf letzte Fragen, Auskunft über die ersten Regungen der Menschheit. Woher kommen wir? Wie wurden wir, und was ist überhaupt der Mensch?

Und was haben die Forscher vorzuweisen? Versteinerte Knochen, schiefe Zähne oder mickrige Steinschaber sollen unser Werden erklären. Leider schweigen die mühsam aus dem Sand Afrikas geklaubten Relikte, und die Gedanken ihrer einstigen Besitzer sind nicht mit ihnen versteinert. Jeder neue Fund klärt wenig, stiftet Verwirrung, schürt heftigen Streit.

Gerade überrascht der Schweizer Primatologe Christophe Boesch vom Leipziger Max-Planck-Institut die Fachwelt - mit der Entdeckung einer Affenwerkstatt.

Schimpansen nämlich knacken hartschalige Nüsse, indem sie mit eigens herbeigeschafften Steinen gewaltig auf die Baumfrüchte eindreschen. Ein schwieriges Geschäft, das nur wenige Horden, wie die aus dem Tai-Nationalpark an der Elfenbeinküste beherrschen. Erst nach sieben Jahren haben die Jungen das Nussknacken gelernt. Werkzeuggebrauch ist also eine Kulturleistung bei Schimpansen - und eine harte Nuss für Boesch und Kollegen. Denn beim wüsten Dreinschlagen splittern scharfkantige Steinkeile von dem Hauwerkzeug. Die hat Boesch ausgegraben. Und siehe da: Die Splitter gleichen denen, die von unseren Vorfahren vor über zwei Millionen Jahren zum Schneiden und Schaben hergestellt wurden.

Nun gerät die Fachwelt ins Grübeln. Waren die gepriesenen Zeugnisse vormenschlicher Hochkultur nur Abfälle bei der Nussmüsli-Zubereitung unserer Urahnen? Oder schlimmer: Sind die Hinterlassenschaften gar nicht die unserer Ahnen, sondern die von nussmampfenden Vorzeit-Cheetahs? Hat der Vormensch im Mülleimer seiner äffischen Verwandten gewühlt, statt selbst zu erfinden?

Viele Fragen. Wir werden wohl warten müssen, bis eines der entscheidenden Rätsel der Menschheitsgeschichte gelöst ist: die Evolution des Heimwerkers.