Als seine Freunde von dem Verlust des Geldes hörten, schlugen sie vor, man sollte die bevorstehende Geburtstagsfeier des Pechvogels zu einer "BYOB"-Party machen: Bring your own beer. Solche Partys seien beispielsweise in England sehr beliebt, sagten sie. Man teilte sich auf: Die einen brachten das Brot, die anderen den Wein, die nächsten das Huhn, Oliven und Bier. Der Gast aus Berlin solle sich nur selbst und den Testwagen mitbringen, hieß es scherzhaft, denn er habe schließlich den weitesten Weg. Nicht wissend, dass ausgerechnet das Cabrio von Saab ein beliebtes Auto in besagtem Freundeskreis war, machte sich der Berliner Gast auf den Weg - mit einem Saab 9-3, ausgestattet mit allen erdenklichen Extras, die einem zu sagen scheinen: Du bist was Besonderes. Ein Tempomat war an Bord, schwarze Ledersessel, ein Navigationssystem, unzählige Knöpfe, die Elektromotore in Gang brachten, Planen gegen Wind und Regen und ein Schaltgetriebe, das Fleiß verlangte, um den ungern untertourig arbeitenden Motor in Kraft zu halten.

Das Haus der Gesellschaft lag in einer Straße, die so schmal war, dass man sich im Gegenverkehr besser nicht begegnete. Sechs Saab-Cabrios waren schon versammelt - das siebte machte da kaum noch Eindruck. Warum fahrt ihr eigentlich alle Saab?, fragte der Gast aus Berlin erstaunt. Man bildete eine Runde. Da standen also der euroverlustige Zahnarzt, eine Lehrerin, ein Jungunternehmer, ein Filmemacher, ein Kneipenbesitzer, ein Immobilienmakler, und jeder gab sich zufrieden und niemand scheute den Superlativ: "Solides Auto", "superschickes Design", "Schwedenautos halten länger", "Saab fällt noch auf", "Golf-Cabrios hat doch jeder", "Auto passt zu mir" und "Belohnung für lange Arbeitstage", floskelte es von Besitzer zu Besitzer, und nur wer nicht mal eben 40 000 Euro für ein jahreszeitlich gebundenes Auto parat hat, steht fassungslos daneben.

Das Saab-Cabrio ist ein Oberklassevehikel, das man eigentlich nicht braucht. Aber wie das gerade mit dem Luxus so ist, sticht auch im Falle dieses Autos das Argument "Das ist Ansichtssache!". Was für den einen Luxus ist, ist für den anderen vielleicht gerade der Einstieg ins Autofahren. Offen zu fahren muss ja nicht heißen: Man zeigt, was man hat. Saab nutzt die Bereitschaft seiner Klientel, eine Menge Geld für ein Auto hinzulegen, das eigentlich nur Spaß und Freude vermitteln soll, wenn man der Natur hautnah begegnet. Aber ein Blick zurück in die Automobilgeschichte zeigt, dass die Cabrios in Amerika oder England immer auch Luxuswagen waren, deren Besitzer es mochten, von anderen Automobilisten unterschieden zu werden. Und ein Blick in die aktuelle Statistik von Autokrediten zeigt, dass es gerade Cabriofahrer sind, die sich überproportional oft und gerne für einen Wagen verschulden.

Die Saab-Besitzer jener Party hatten ihr Auto längst abbezahlt. Niemand von ihnen dachte im entferntesten daran, sein gutes Stück zu verkaufen. Man gehe eben eine viel stärkere Beziehung zu einem Cabriolet ein, sagte einer, als zu einer Allerweltslimousine. Nicht nur, weil es mehr Geld gekostet habe und die Versicherungen ungleich höher seien, nein: "Es ist ein emotionaler Gegenstand, der einem erlaubt, anders zu fahren und damit anders zu sein." Geschlossen verächtlich blickte die Gruppe auf den Mercedes Cabrio SLK. Hier vermutete man eine gewollte Verwässerung des echten Oben-ohne-Gefühls, das im selbsttätigen Öffnen und der Pflege eines Stoffverdecks, einer eher labilen und zum Klappern neigenden Gesamtkonstruktion und der Furcht, es könne hineinregnen, liegen würde. "Sollte", fragte einer fast verschwörerisch, "Mercedes etwa bislang eher Cabrio-unlustige Käufer mit der Option eines sich öffnenden Metalldaches ködern wollen?" Nun baut ja auch Peugeot so ein Auto, das wir in einem anderen Autotest bereits vorgestellt haben. Doch Mercedes ist nicht gleich Peugeot: Letzterem billigt man trotz seines ebenso festen Metalldaches eher den französischen Genussfaktor zu als den deutschen Luxusfaktor.

Auf der Autobahn kann man mit dem Saab fast 200 Stundenkilometer schnell fahren, aber in den Ohren hallen die Außengeräusche lange nach. Es ist auch nicht ratsam, als vierköpfige Familie im geschlossenen Gefährt unterwegs zu sein, weil den Passagieren im Fond wegen der Enge die Beine abzusterben drohen und die nötige Kopffreiheit fehlt. Hat sich aber das Dach auf Knopfdruck irgendwo hinten weggefaltet, ist alles anders: Dann ist man zu viert eher unterhaltsam unterwegs, denn Fahrtwind, Sonne und die Aussicht aufs Grün sorgen für Laune. Allerdings schwächelt der Motor. Man muss schon mächtig den Schalthebel rühren, damit das 150 PS starke Aggregat nicht zu husten beginnt. Vor allem in den unteren Gängen fahren dem Saab die meisten anderen Autos weg.

Gut zu Gepäck ist der Wagen zwar, denn er ist weich ausgeschlagen. Aber viel Platz räumt er Koffern nicht ein. Das hat mit dem Design des Autos zu tun: Wenn das Dach verschwindet, bekommt das Auto ab der Frontscheibe eine ebene Linie, was schick aussieht, aber leider Stauraum klaut. Unsere Saab-Freunde sagten, sie würden gern auch allein in ihren Autos fahren, denn was einem lieb und teuer ist, geniesse man auch gut mit sich selbst. Aller Egozentrik zum Trotz: Saab als Mitglied von General Motors fährt schon lange mit Opel-Technik, und somit gehören wir alle, trotz gegenteiliger Gefühle, zur großen Gemeinschaft der normalen Automobilwelt. Um die 1000 Euro, die im Hafen versanken, kann es einem aber wirklich leid tun: Der Automarkt der Süddeutschen Zeitung offerierte für 1001 Euro einen rauen VW-Kübel aus Stahlblech auf vier Rädern. Seine Extras: Ein Eimer Farbe Olivgrün.

PS Nächste Woche am Start: Mark Spörrle, ZEIT -Redakteur, im Opel Astra Cabrio AT 2.2