Sie trat 1989 den Grünen bei, fünf Jahre später zog sie in den Bundestag ein, und seit 1998 ist die Diplomphysikerin Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt

Solche Sätze sagt Simone Probst einfach so dahin: "Ich glaube, dass es für Frauen in Führungspositionen leicht ist, Kind und Karriere zu vereinbaren. Wenn Sie die Chefin sind, wer will Ihnen noch was sagen?" Derart unerschrocken ist die zierliche Grüne in dieser Legislaturperiode zur jüngsten Parlamentarischen Staatssekretärin der rot-grünen Bundesregierung aufgestiegen, hat mitten im Wahlkampf 1998 ihre Tochter Paula und knapp zwei Jahre später Tochter Maria auf die Welt gebracht.

Vorstandsvorsitzende räumten während des Treffens mit Probst ihr Büro, damit ihr stets mitreisender Mann die kleine Paula wickeln konnte, im Umweltministerium lernten die ihr unterstellten Abteilungsleiter, Termine nach den Stillzeiten von Tochter Maria zu richten. Wenn Probst mit fröhlicher Stimme erzählt, wie privilegiert sie in ihrer Position ist, klingt alles kinderleicht.

"Das klappt nur, wenn man es nicht plant. Sonst würde man vor einem Berg stehen", sagt die 34-jährige Staatssekretärin über ihre politische Karriere. Um Physik zu studieren, zog sie nach Paderborn. Sie war 21 und wollte "eine anständige Physikerin" werden. Eine politische Aktivistin war sie nie. Den Grünen tritt sie bei, weil diese offen für neue Technologien wie Solar- und Brennstoffzellen sind. Als im selben Jahr für die Paderborner Kommunalwahl bei den quotentreuen Grünen junge Frauen gesucht werden, kandidiert sie spontan und wird gewählt. Probst wird gefragt, ob sie sich auch für den Fraktionsvorsitz im Kreistag bewerben will, und ist sofort bereit: "Ich dachte, das ist eine gute Sache, wenn man neu ist, denn alle Infos müssen nun über mich laufen."

Wie viel Spaß Politik bringt, hat sie im Kreistag gemerkt: "Das kam erst durchs Machen." Der sichere Listenplatz, der ihr 1994 den Einzug in den Bundestag ermöglichte, war auch "ganz einfach zu kriegen". Die grüne Abgeordnete wird mit 26 Jahren Mitglied im Forschungsausschuss. "Sicher dachten alle, was kommt da für eine Kleine?", erzählt sie und lacht. Doch als Diplomphysikerin habe sie eine gute Eintrittskarte gehabt. Als im neu gewählten Grünen-Fraktionsvorstand eine stellvertretende Geschäftsführerin gesucht wird, kandidiert sie. Dadurch lernt sie schnell alle parlamentarischen Abläufe kennen und sitzt dort, wo die Fäden der Fraktion zusammenlaufen.

Als nach ihrem Wiedereinzug in den Bundestag 1998 Trittin anrief, um ihr den Staatssekretärsposten anzubieten, hat sie keine Sekunde gezögert. Simone Probst sagt über sich: "Ich bin in der guten Situation, dass ich nie um einen Posten zu kämpfen brauchte." Sie gibt aber auch zu, dass ihr die Frauenquote der Grünen beim Einstieg in die Politik sehr geholfen hat. Ebenso ihr Profil Naturwissenschaft, Frau, jung. Ministeramt? Würde sie "niemals" anstreben, verkündet sie. Muss sie auch nicht. Wenn es so weit ist, wird sie sicher gefragt.