Sie ist Beauftragte für Humangenetik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die 28jährige Diplomchemikerin trat mit 21 in die Junge Union ein und kam 1998 in den Bundestag

Manchmal befördern große Entdeckungen auch an anderen Stellen überraschend Karrieren. Es war natürlich Glück für die 28-jährige ostdeutsche CDU-Abgeordnete Katherina Reiche, dass Craig Venter in dieser Legislaturperiode das menschliche Genom entschlüsselte. Unionsfraktionschef Merz brauchte einen Sprecher für Humangenetik, seine Wahl fiel auf Reiche. Dass sie Diplomchemikerin ist, habe für Merz den Ausschlag gegeben, glaubt sie.

Katherina Reiche wirkt wie eine Jungunternehmerin, die sich in ein tristes Potsdamer Wahlkreisbüro verirrt hat: heller Blazer, weiße Bluse, topmodische Sandaletten. Wenn die 28-Jährige redet, greift sie auf polierte Politikersätze zurück: "Mitgestalten und mitentscheiden können, auch für die Generation hier im Osten was zu tun, den Anschluss für die neuen Länder zu begleiten, das fand ich spannend." Angesprochen auf Medienberichte, denen zufolge das Mitglied des CDU-Parteivorstands nun ins so genannte Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber gerufen werde, weicht Reiche mit ritueller Politfloskel aus: "Das ist Wunschdenken der Presse" - ohne wirklich zu dementieren.

Mit 21 in die Junge Union, mit 25 Jahren CDU-Eintritt. "Wegen der sozialen Marktwirtschaft und Helmut Kohl als Kanzler der Einheit", sagt Reiche. Als die Potsdamer CDU für den Bundestagswahlkampf 1998 ein junges, weibliches Gesicht zu ihrem Slogan "Wir haben eine Zukunft" sucht, wird sie gefragt. Reiche steckt zu dieser Zeit in ihrer Promotion, ist Gesellschafterin im Betrieb ihrer Eltern und kommt nach gründlicher Abwägung zu dem Schluss: "Du kannst nur gewinnen." Über einen Listenplatz zieht sie dann das Los in den Bundestag.

Im Juli 99 kommt Tochter Maria auf die Welt, geplant war die Schwangerschaft nicht. "Aber nun ist sie da, meine Maus", sagt Reiche strahlend, nun ganz ohne staatstragenden Jargon, und zieht ein Babyfoto aus ihrer Tasche. Ein in der Not gestricktes Betreuungsnetz aus Sekretärin, Büroleiter, Oma, Vater und später einer Tagesmutter ermöglicht ihr, weiterzuarbeiten - Mutterschutzregelungen für Abgeordnete existieren nicht. "Die Ampel schalten andere auf Grün, aber rübergehen und heil ankommen muss man selbst", erklärt Reiche die Mischung aus Förderung, Glück und Können, die nach ihrer Einschätzung ihre politische Karriere ermöglichte.

Wie es sich anfühlt, wenn einem "mächtig Feuer aus Fraktion und Partei" entgegenschlagen, erlebte die junge CDU-Abgeordnete, nachdem Merz sie zur Beauftragten für Humangenetik berufen hatte. Zwar hatte sie damit einen wichtigen Posten in der Fraktion. Aber auch harte Kämpfe zu überstehen: Gegen den Willen des Fraktionschefs sowie einer mächtigen Lobby in der konservativen Union befürwortete sie den Import embryonaler Stammzellen für die Forschung. "Da braucht man viel Rückgrat", sagt sie. Ihre Position konnte sie nur bedingt durchsetzen. Sie hofft, dass "bessere Argumente und die Zeit" ihr langfristig Recht geben werden.