Er trat als 14-Jähriger dern Jungen Liberalen bei, deren Vorsitzender er heute ist. Seit 1998 ist der Bankkaufmann und VWL-Student Mitglied im FDP-Bundesvorstand

Der 25-jährige Politiker sitzt in einem Café am Kollwitzplatz in Berlin und muss gerade in seinem Lebenslauf nachschlagen. Ist ja auch nicht einfach, alle Ämter in zeitlicher Reihenfolge im Kopf zu haben, schließlich macht Daniel Bahr schon seit elf Jahren Politik. Für die FDP, die kleine 18 am Revers seines dunkelblauen Jacketts lässt keinen Zweifel. Nun will Bahr, Chef der Jungen Liberalen (Juli) und Mitglied des FDP-Parteivorstands, in den Bundestag: "Ich muss da rein, um Dampf zu machen."

Unter Dampf steht Bahr offensichtlich seit früher Jugend. Schon mit 14 Jahren wird er Mitglied der Jungen Liberalen. Für einen Artikel bei der Schülerzeitung hatte er sich alle Jugendorganisationen angeschaut. Bei den Julis traf der Gymnasiast Studenten, mit denen er bald regelmäßig über Bildungspolitik diskutierte. Mit 15 Jahren das erste kleine Amt: Bahr wird Mitglied im Juli-Kreisvorstand von Münster. Mit 16 Jahren tritt er in die FDP ein, dann wird er Mitglied im Vorstand der Jungen Liberalen und mit 20 schließlich deren Vorsitzender. "So richtig gekungelt hab ich nicht", sagt Bahr im Rückblick auf die Wahl, die er mit nur einer Stimme Vorsprung gewann. Er habe natürlich zuvor viel telefoniert, um genügend Stimmen zu kriegen. Politischer Alltag eben.

Neulich stand Bahr nachts vor dem Kanzleramt. Mit einem Videobeamer projizierte er den Schriftzug: "Kann man hier bei 4,3 Millionen Arbeitslosen ruhig schlafen?" auf die Außenmauer. Wahlkampf eben. "Sie müssen heute Politik anders verkaufen, damit sie wahrgenommen und verständlich wird", sagt Bahr. Mit dem Vorwurf "Spaßpartei" könne er gut leben, solange ein Inhalt dahinter stehe.

Der gelernte Bankkaufmann und VWL-Student Bahr verkörpert das junge, smarte Gesicht der FDP. Gegen die "Altherrenriege" in der Fraktion und für eine Erneuerung seiner Partei kämpft der Vorsitzende der Jungen Liberalen seit Jahren lautstark an. Druck musste Bahr, der sich selbst als "Überzeugungstäter" bezeichnet, deswegen oft aushalten. Als er 1999 öffentlich den Rücktritt von Parteichef Wolfgang Gerhardt fordert, ist ihm ein ehemaliger Außenminister bis auf die Toilette gefolgt. "Er hat mich eingeseift und mir richtig gedroht", erzählt Bahr. Er sei bei seiner Position geblieben. "Ich war überzeugt, dass es für die Partei das Richtige ist, dann muss man das aushalten können."

Obwohl sein eigener politischer Weg ihn Lügen zu strafen scheint, ist der 25-Jährige fest überzeugt: "Man kann eine politische Karriere nicht planen. Das ergibt sich." Dass es sich nun für den VWL-Studenten so früh ergibt, Bundestagsabgeordneter zu werden, findet er "eine Riesensache". Gerade bei Themen wie Rentenreform und Bildungspolitik müssten viel mehr junge Politiker mitmischen, fordert Bahr.