Die 26-jährige Jurastudentin ist seit 1997 PDS-Mitglied; sie gründete "solid" - die sozialistische Jugend. Bei der kommenden Bundestagswahl kämpft sie um den Wahlkreis Prenzlauer Berg

Die 26-jährige Jurastudentin im lässigen Hosenanzug blickt streng durch ihre Brille. Das Kinn zwischen zwei Finger gestützt, sagt sie: "Die machen einen Wettbewerb um den glaubwürdigsten Vertreter aller Ossis, aber im Grunde genommen stehen die drei Herren nicht unbedingt für Zukunft. Trotz deren Erfahrung glaube ich, dass ich kompetenter bin." Sie spricht über Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sowie die Abgeordneten Günter Nooke (CDU) und Werner Schulz (Grüne). Gegen "die drei Rauschebärte" - wie der PDS-Sprecher es gern formuliert - kämpft die junge Berlinerin Sandra Brunner bei der nächsten Bundestagswahl für die PDS um den Wahlkreis Prenzlauer Berg.

"Ich gebe den Leuten klare Antworten", das sei ein eindeutiger Vorteil, sagt Brunner selbstgewiss. Hingewiesen auf die Prominenz ihrer Gegenkandidaten, zieht sie die Stirn in sorgenvolle Falten: "Mein Bekanntheitsgrad - das ist noch ein Problem." Um gleich elegant einfließen zu lassen, dass sie gerade von einem Termin mit Kultursenator und Parteigenosse Thomas Flierl komme. Es sei ihr gelungen, die Schließung eines Künstlerhofs im Kiez vorerst zu verhindern. Ein Anruf beim Parteifreund Flierl, ein Ortstermin - politisches Tagesgeschäft im Wahlkampf.

Golfkrieg und Zensur mobilisierten die junge Linke schon als 15-jährige Schülerin für die Politik. Die Demonstration gegen den Golfkrieg sei damals vom Schuldirektor verboten und die Schulzeitung eingestellt worden. "Das muss man sich nicht gefallen lassen", habe sie gedacht und: "Misch dich selbst ein." Brunner wird Mitglied in der Landes- und der Bundesschülervertretung, bei der PDS findet sie ihre Auffassungen wieder.

Seit 1994 ist die Ostberlinerin in der Sozialistischen Partei engagiert, 1997 wird Brunner PDS-Mitglied. Da sie eine Jugendorganisation wie bei anderen Parteien vermisst, gründet sie 1999 "solid" - die sozialistische Jugend - und wird deren Sprecherin. "Was ich anpacke, wird auch meistens was. Da klemm ich mich hinter."

Sandra Brunner wohnt mit ihrer Zwillingsschwester mitten im Prenzlauer Berg. Bis vor kurzem hat sie sich hauptsächlich hinter ihr Jurastudium an der Uni Potsdam geklemmt, nun heißt das nächste große Etappenziel in ihrem Leben: Deutscher Bundestag. "Halb zog es mich, halb sank ich hin", kommentiert sie ihre Kandidatur ironisch und steckt sich noch eine Gitane an. Die notwendige Erfahrung im Wahlkampf bringt sie mit: Bei der letzten Bundestagswahl 1998 hat sie im Team ihrer Vorgängerin Petra Pau gearbeitet. "Wir haben damals gut mobilisiert, jede Flosse", sagt Brunner mit zufriedenem Nicken. Die PDS gewann gegen Thierse mit hauchdünnem Vorsprung.