Schwer genug fällt es: Jeanne Heifetz aus Brooklyn hat kürzlich Recherchen angestellt, die die Nachtseite eines Erziehungsprozesses erhellen. Mrs. Heifetz, Mutter eines schulpflichtigen Kindes, hat nämlich - aufgeschreckt durch ein offenbar falsches Romanzitat in den Examensunterlagen ihres Sohnes - zehn verschiedene Englischtests untersucht und dabei lauter peinlich gesäuberte Texte gefunden: Alle Hinweise auf Rasse, Klasse, Geschlecht und Religion waren aus den literarischen Beispieltexten getilgt worden. Aus den Werken von Isaac Bashevis Singer, dem größten jiddischsprachigen Autor der Gegenwart, hatte man alle Hinweise auf das Judentum gelöscht, aus den Kindheitserinnerungen einer weißen Autorin an die schwarze Nachbarschaft ihres Viertels alle Hinweise auf die Rassenverhältnisse. Die Schulbehörde verteidigt sich nun mit dem Argument, niemand solle sich bei der Prüfung "unwohl fühlen". Wird man also studierenden Senioren demnächst Hemingways Novelle Der verdiente ältere Mitbürger und das Meer vorlegen? Eine taktlose Öffentlichkeit, in der Herkunft zum Argument werden kann, trägt immer noch Züge unüberwundener Barbarei. Eine vollkommen gesäuberte Öffentlichkeit aber, in der alle Spuren von Ungleichheit und Unterdrückung aus der Rede (und nur aus der Rede) verbannt sind, wäre eine neue Form der Barbarei.