Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident leistet sich in seinem Geschäftsbereich eine einzigartige Institution, deren Glanz global funkeln sollte: das Wissenschaftszentrum NRW. Unter diesem Dach werkeln drei politiknahe Institute mit klangvollen Namen: das Institut für Arbeit und Technik (IAT) fördert sozialverträglichere Technikgestaltung; das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) erforscht Probleme der wissenschaftlich-industriell geprägten Kultur; das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie (WI) treibt den globalen ökologischen Wandel voran.

Nun hat der Wissenschaftsrat auf Bitten des Landes das Zentrum unter die Lupe genommen - und fand mehr Asche als Glanz. Einzig dem kulturorientierten KWI zollte er überwiegend Lob, es habe für Deutschland große Bedeutung. Förderungswürdiges Potenzial stecke auch im IAT, dessen Ergebnisse genügten insgesamt aber noch nicht den erforderlichen Qualitätsstandards. Hart ging er allerdings mit dem Wuppertal-Institut ins Gericht: Es neige in wichtigen Bereichen wie der Klimapolitik zur Einseitigkeit und sei "in seiner bisherigen Form nicht weiter zu fördern". Der Gesamtverbund des Wissenschaftszentrums NRW sei aufzulösen, da er keine sinnvolle Klammer bilde und nicht überzeuge.

Das ist eine Steilvorlage für das Land, einen wissenschaftlichen Wasserkopf gesundzuschrumpfen und so Ressourcen freizumachen für die geknebelten Fachhochschulen, Universitäten und Klinika. Doch was macht NRW? Bedankt sich artig für die wertvollen Empfehlungen und verkündet, es wolle "mit dem Wuppertal-Institut weiterhin wichtige Beiträge zur nationalen und internationalen Umweltpolitik leisten". Das WI werde neu konzipiert, für den Verbund ein "gemeinsames Profil" entwickelt, die Struktur des Zentrums nach der Sommerpause verkündet.

Statt erhaltenswerte Teile, die es auch im Wuppertal-Institut gibt, an passende Hochschul- oder Forschungsinstitute zu koppeln, versucht man offenbar mit neu definierten, aber letztlich alten Konzepten weiterzuwursteln. Das hätte System, denn politisch geprägte Gemischtwarenläden scheinen trotz gravierender wissenschaftlicher Mängel unzerstörbar zu sein. So hat zuletzt das GKSS-Großforschungszentrum Geesthacht in Schleswig-Holstein die Auflösungsempfehlung des Wissenschaftsrats überlebt - die dortige Politik wollte es so. Einst förderte dieses Zentrum, wie viele andere auch, Kernforschung. Heute grassiert Umweltforschung. Ob in Bundes- oder Landesanstalten, Hochschulen, staatlichen oder privaten Institutionen: Ökoforscher sind überall. Inzwischen gibt es Umwelträte und -sachverständige zuhauf. Jeder Politiker findet die passenden Wissenschaftler zu seinen Vorurteilen.

Warum muss ein Ministerpräsident da noch eigene finanzieren?