Kurz vor Konferenzende entschuldigt sich der Gastgeber. Seyed Kazem Sajjadpour eilt ins Parlament. Dort hat der außenpolitische Ausschuss eine dringliche Anhörung zu den iranisch-amerikanischen Beziehungen einberufen. Wer hat wann mit wem gesprochen?, will der Ausschussvorsitzende wissen. Damit ist im Moment wohl auch Kazem Sajjadpour überfragt. Aber ansonsten hat zur amerikanischen Politik kaum jemand in Teheran ein klügeres Urteil als der Direktor des Instituts für Politische und Internationale Studien. Souverän hat er das erste Round-Table-Gespräch seines Instituts mit der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik geleitet. Nun aber muss er ins Parlament.

Wie halten wir es mit dem "Großen Satan" in Washington? Für die Außenpolitik der Islamischen Republik Iran bleibt dies die brennendste Frage, gerade nach George W. Bushs Bannwort von der "Achse des Bösen". Alle Hoffnungen der Reformer um Präsident Mohammed Chatami waren damit zerstoben. Sie hatten geglaubt, Teheran und Washington könnten nach dem 11. September aufeinander zugehen. Die Hardliner um den religiösen Führer Ali Chamenei aber fühlten sich in ihrem Widerstand gegen jedes Gespräch mit Amerika bestätigt.

Bald jedoch wispert es wieder durch Teheran: Es laufen Geheimgespräche mit den Amerikanern. Auf Zypern. In der Türkei. In Genf. Der Sohn von Expräsident Rafsandschani habe die Gespräche arrangiert, heißt es, vielleicht selbst daran teilgenommen. Den Versicherungen von Informationsminister Ali Younesi, "weder offiziell noch inoffiziell" habe es irgendwelche Verhandlungen gegeben, schenkt niemand Glauben. Schon gar nicht der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses.

Dessen Frage könnte auch lauten: Wer spielt welches Spiel in Teheran? "Der Streit geht nicht darum, ob man mit den Amerikanern sprechen soll, sondern wer mit ihnen sprechen darf", sagt ein europäischer Botschafter in Teheran. Für ihn steht fest, dass dies keinesfalls die Reformer um Chatami sein könnten. So wie einst der Republikaner Nixon das Tor zum China Mao Tse-tungs aufstieß, so müssen in Iran die Konservativen den ersten Schritt auf Amerika zu tun. "Es geht nur, wenn es der Führer selbst macht", bekräftigt der Botschafter.

Aber will Amerika überhaupt mit dem Schurkenstaat reden? Kein Land fördere den Terrorismus aktiver als der Iran, schrieb das State Department gerade in seinem Jahresbericht über die Sponsoren des Terrors. Und als George Bush Ende April zum Gipfel nach Moskau reiste, stand auf seiner Agenda obenan die Bitte an Putin, die Iraner nicht länger mit Atom- und Raketentechnik zu beliefern.

Wer jetzt noch Gespräche mit Amerika fordere, fuhr Religionsführer Chamenei daraufhin aus der Haut, der verstehe "das ABC der Politik und das ABC der Ehre nicht". Der von Hardlinern beherrschte Justizapparat drohte der Presse gar, jegliche proamerikanische Berichterstattung werde gerichtlich verfolgt.

Funkstille also, trotz Nahostkonflikt, Irak, Terrorismus, Massenvernichtungswaffen: Amerikas Agenda rührt an die eigenen Interessen, argumentieren die Realisten in Teheran. Sie wollen sich aus der Isolation befreien, den wirtschaftlichen Abstieg des Landes stoppen, nicht länger Paria der internationalen Politik sein.