Und so endeten wir 2002, wieder gegen Sachsen Leipzig. Holetschek schlurft vom Acker, mit acht betretenen Kameraden. Lässig sah nach Faustschlag Rot, Käptn Treitl flog wegen Schiedsrichterbepflaumung. Die Sachsen machten drei flotte Tore und ließen uns dann laufen. Wir waren peinlich. Ohnehin interessierten nur zwei andere Partien. Plauen gewann 1 : 0 beim Schlusslicht Braunsbedra und wurde Fastmeister wie voriges Jahr Schalke 04. Denn in letzter Minute rang Dynamo Dresden Hoyerswerda nieder und spielt nun um den Drittliga-Aufstieg gegen die Amateure von Hertha BSC. Glückwunsch nach Dresden!

Uns bleibt Platz 3 und wohlvertraute Sommerdepression. Voriges Jahr verdämmerte der FC Carl Zeiss als Tabellenletzter der Dritten Liga, zu deren Favoriten man sich gezählt hatte. Vierte Liga - Entsetzen in der alten Fußballhochburg Jena, Selbstzerfleischung, Aufstiegsschwüre. Ein neuer Trainer kommt: Wolfgang Sandhowe, westfälischer Bauernsohn, der spricht vom Pflügen, von Kondition und Disziplin. Das zieht in Jena, das erinnert an Schorsch Buschner, den Übertrainer aus Zeiss-Meistertagen, als der FCC mit schierer Kraft seine Gegner unter den Rasen rannte. Die Saison beginnt. Jena verprügelt die Liga: zehn Spiele, zehn Siege.

Dann der Einbruch. In den nächsten sieben Partien nur ein Sieg. Elf Jenaer können neun Plauener nicht knacken. Gegen Sachsen Leipzig unterliegen wir daheim in Überzahl. Wir kicken schematisch, mit ratloser Kraft. Diese Liga ist zweigeteilt, in Profis und Amateure. Als Unseresgleichen fordern uns Dynamo Dresden, Plauen, die beiden Leipziger Clubs, vielleicht noch Zwickau. Die anderen spielen Davidsfußball. Sie lassen die Großen kommen, lauern, schroten sie vors Knie. Manchmal klappt's, der Riese fällt. Wie konnten wir bei Dresden Nord verlieren?

Winterpause. Jena Dritter, Plauen führt. Im Februar geht's weiter. Jena startet mit vier Siegen - und entlässt Trainer Sandhowe. Begründung: Grottenfußball, Schleifertraining, taktische Monotonie.

Die Spielfitness fehlte, sagt Olaf Holetschek. Wir traten auf der Stelle. Wir hätten 180 Minuten spielen können, aber nur in einem Tempo.

Ich hab den Trainerwechsel nicht verstanden, sagt Peter Poser, seit drei Jahrzehnten Jenas Foto-graf. Quasi hat die Mannschaft, der Arbeitnehmer, gesagt: Die Arbeit ist zu hart, mein Chef muss weg.

Ich habe so was noch nie erlebt, sagt Frank Eulberg, der neue Trainer (vorher Göttingen 05). Körperlich war die Mannschaft in hervorragendem Zustand, aber total platt, festgelaufen. Ein Sprint, und die pumpten wie die Maikäfer.