Die drei jüngsten Auktionen in New York, Wien und München, zuvor auch in Kopenhagen, zeigen, dass Designermöbel, Lampen und angewandte Objekte stark begehrt sind, die Klassiker wie Thonet, Bauhaus, De Stijl ebenso wie die teakholzschweren Objekte der fünfziger und die knallbunten Produkte der siebziger Jahre.

Was lange Zeit farblich und gestalterisch als geschmacklos galt und vielfach auf dem Sperrmüll entsorgt wurde, ist nun wieder gefragt, wie die Entwicklung der letzten Jahre gezeigt hat. Es können nicht nur der 100. Geburtstag von Arne Jacobsen oder das 40. Dienstjubiläum des Braun-Chefentwerfers Dieter Rams sein, die den Revival-Boom in Gang gesetzt haben. Der Egg-Chair von Jacobsen wird wieder als schützende Hülle geschätzt, und der Rams-Plattenspieler SK4,liebevoll "Schneewittchensarg" genannt, genießt kultische Verehrung, auch wenn er technisch wahrlich nicht auf dem höchsten Niveau ist.

"Großen Nachholbedarf vor allem in Japan und Russland" konstatiert der Hambuger Designsammler und -händler Moritz Hornbostel: "Containerweise werden die Sachen dorthin verschifft." Aber vor allem in Amerika bezahlt man hohe Preise für die Wohnentwürfe der älteren wie jüngeren Vergangenheit, und die Käufer sind, soweit sie finanziell mithalten können, junge Leute. Das beste Ergebnis überhaupt zum Thema Design erzielte das Wiener Auktionshaus Dorotheum in der vorigen Woche - auch wenn das prominenteste Stück, eine Le-Corbusier-Chaiselongue Nr. 2072 von 1935, auf maximal 30 000 Euro geschätzt, niemand abnehmen wollte. 68 Prozent der Lose wurden verkauft, der Gesamterlös beträgt stolze 513 000 Euro.

Gefragtes und hoch bezahltes Objekt war Charlotte Perriands Tisch forme libre aus dem Jahr 1953, das für 26 840 Euro zugeschlagen wurde. Ebenfalls von Perriand stammt eine Bibliothek, die 1953 bei Jean Prouvé gefertigt wurde und nun bei Phillips mit 51 750 Dollar unter die Top Ten der Verkäufe gelangte. Das Preisgefälle ist hoch, und die amerikanischen Sammler und Institutionen sehen sich gut auf dem europäischen Markt um. Im Dorotheum wurde für 20 740 Euro eine Sitzmaschine B 25 (gefertigtum 1939) von Marcel Breuer in die Staaten abgesetzt. Der fast doppelt so hoch geschätzte Prototyp dieses Modells mit der oberen Taxe von 40 000 Dollar bei Phillips in New York ging als zu teuer zurück. Und auch für eine Visiona II Wandplatte von Verner Panton aus dem Jahr 1969/70 mochte sich dort für drei- bis fünftausend Dollar niemand erwärmen, ein andersfarbiges Modell, das Panton zugeschrieben wird, ging bei Quittenbaum in München jedoch für 1000 Euro weg.

Insgesamt blieben dort die Preise am vorigen Wochenende moderat: "WM und schönes Wetter" kommentiert Arthur Floss, Designexperte in dem Münchner Haus. Teuerstes Objekt war ein Exemplar des schwarzledernen Sessels Nr. 3316 von Arne Jacobsen mit 400 Euro über dem Schätzpreis von 4000 Euro. Auch wenn die Preise dort nicht so ausuferten wie in New York und teils in Wien - das Interesse steigt und damit auch der Wert der Objekte. Und es ist durchaus keine Ausnahme, dass sich Konfirmanten die würfelförmigen schwarzen lederbezogenen Sitzmöbel von Le Corbusier wünschen, die allerdings preisbewusste Eltern auf den Pfad der erschwinglicheren Reeditionen führen werden. Abzuwarten bleibt, ob man eines Tages auch exotische Sitzgelegenheiten nachbauen wird, das Marshmallow genannte Sofa etwa, das mit runden Sitzkissen auf einem Stahlgerüst in den fünfziger Jahren von Irving Harper entworfen und von Herman Miller gefertigt wurde. Das auf 15 000 Dollar geschätzte Teil war jüngst erst einem Fan 129 000 Dollar wert.

Hoch taxiert sind auch die jüngeren Produkte wie die des britischen Metallschmieds Ron Arad. Aber ein auf 50 000 bis 70 000 Dollar geschätzter New Orleans Armchair von 1999 in einer Auflage von 18 handgeabeiteten Exemplaren aus Fiberglas und Polyester war dann wohl preislich doch zu hoch gegriffen, während eine aus Messern, Gabeln und Löffeln gestaltete Sitzgruppe und ein gläserner Esstisch von Yonel Lebovici von 1992 im Rahmen der Schätzung für 59 700 Dollar einen Käufer fanden.

Günstig ist auch immer noch der Markt in Skandinavien, dessen Produkte der sechziger und siebziger Jahre gerade en vogue sind. Aber auch Klassiker finden sich dort, wie das lederbezogene Sofa von Frits Henningsen - fast so lang wie die türkise Wolke, doch nicht ganz so teuer. Der vergleichsweise bescheidene Schätzpreis: 16 800 Euro.