Die Griechen sollen Spargel sinnloserweise gegen Zahnschmerzen eingesetzt haben. Und während die Klugschwätzer noch räsonieren, nehmen sie langsam den charakteristischen schwefelartigen Geruch an, den die Kulturpflanze rund der Hälfte ihrer Esser beschert. Mehr als genug Gründe also, auf ewig dem Spargel abzuschwören. Leider wird er stattdessen in rauen Mengen aus Frankreich und Holland importiert, weil die Nachfrage zu groß für den heimischen Markt ist und der Anbau höllisch langwierig und kompliziert. Das hält die Italiener aber nicht davon ab, jetzt ganz verrückte neue Sorten zu züchten. Neulich hatte ich das erste Mal einen zweifarbigen Spargel auf dem Teller, oben grün und unten weiß. Geholfen hat es auch nichts. Für mich war es nur ein weiterer trauriger Beleg, was Verknappung aus Menschen machen kann. Wenn es die Dinger nämlich in Hülle und Fülle das ganze Jahr über gäbe, würde garantiert niemand auf die Idee kommen, sie als Delikatesse zu behandeln. Es lädt ja auch keiner zum Brokkoli-Essen oder zur Sellerie-Session. Auch ein Blumenkohl-Hype wird uns bis auf weiteres erspart bleiben, denn davon gibt es gottlob genug.

Die Autorin leitet das TV-Magazin "Polylux", jeden Montag um Mitternacht in der ARD und samstags, 11.45 Uhr, auf 3sat