Dass es ausgerechnet Waschbecken und Toiletten sind, die er mithilfe von Nanoteilchen verfeinert, kommt Kollegen wie ein Verrat an den hohen Zielen der Nanowissenschaften vor. Ralf Zastrau, Geschäftsführer der Saarbrückener Firma Nanogate kann sich jedoch der Zustimmung der Kunden sicher sein: Mit Nanopartikeln beschichtet, weist Keramik Schmutz und Wasser ab. Das heißt: Mit viel Scheuern ist jetzt Schluss! Zastrau führt eines der wenigen Nano-Tech-Unternehmen in Deutschland, die überhaupt schon etwas zu verkaufen haben. Im vergangenen Jahr erzielte Nanogate einen Umsatz von vier Millionen Euro.

Nanotechnik gilt als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Viel wird ihr zugetraut: Sie könne fast jedes Produkt revolutionieren, das es heute auf dem Markt gibt, versichern Forscher und Entwickler. Ein Auspuff würde nicht mehr rosten. Die Zahnpaste könnte Zähne glätten. Medikamente würden ihren Weg durch den Körper besser finden, und Fenster müsste auch niemand mehr putzen.

Es sind Revolutionen im kleinsten Maßstab. Nanotechniker arbeiten mit Molekül- oder Atomgruppen von 0,1 bis 100 Nanometern. Sie sind bis zu 10 000-mal kleiner als ein Haar. Diese kleinsten Teile besitzen vollkommen andere Eigenschaften als das Material selbst. Die Forscher manipulieren die Teilchen gezielt, um neue Materialien und ultradünne Schichten herzustellen oder Oberflächen präzise zu bearbeiten (siehe Kasten).

Weltweit, schätzt der Verband Deutscher Ingenieure (VDI), wurden mit Nanotechnik im Jahr 2001 rund 50 Milliarden Euro umgesetzt. Bis 2005 könne der Markt bis zu 200 Milliarden Euro groß sein, schätzen Experten in einer Studie des Bankhauses Sal. Oppenheim. Davon sollen vor allem deutsche Firmen profitieren.

Schon jetzt sehen amerikanische Experten deutsche Forscher und Unternehmen an der Weltspitze. Positive Einflüsse auf den Arbeitsmarkt, auf Deutschlands wirtschaftliche Position in der Welt, auf die Erforschung unheilbarer Krankheiten und sogar auf die Umwelt könne die Nanotechnik haben - so lauten die Hoffnungen, die Referenten des Bundesforschungsministeriums in einer Studie zusammenfassten.

Sie machen Geld fälschungssicher

Die hohen Erwartungen haben in Deutschland eine wahre Gründerwelle für Nano-Tech-Unternehmen ausgelöst. Junge Chemiker, Physiker und Biologen verlassen die Forschungslabore der Universitäten, um sich mit Start-up-Unternehmen selbstständig zu machen. 40 bis 60 Firmen gibt es bereits. Dazu kommen etwa 100 mittelständische Unternehmen und mehrere Konzerne, die eigene Forschungen betreiben.