Vor 13 Jahren übernahm der promovierte Agrarbiologe Karl-Josef Müller einen alten Demeter-Hof, und zwar in Darzau, im nördlichsten Zipfel des Wendlandes. Seitdem züchtet er nicht nur ökologische Getreidesorten - er erforscht sie auch.

Ökogetreide wächst heute in der Regel nicht aus Ökosorten. Warum? Weil es kein Saatgut dafür gibt. Jahrzehntelang wurde Getreidesaatgut chemisch behandelt, um unter den Bedingungen des konventionellen Anbaus einen optimalen Ertrag zu erwirtschaften. Doch ökologischer Landbau arbeitet mit vollkommen anderen Methoden. Und die verlangen nach Sorten, die auch ohne das "Beizen", also die chemische Behandlung, gegen bestimmte Krankheiten resistent sind. Oder nach Sorten, die auch unter speziellen regionalen Bedingungen gut wachsen.

Im ersten Anbau unter ökologischen Bedingungen, sagt Müller, bleibt das Getreide noch genauso gesund, als wenn es gebeizt worden wäre. "Erst in der vierten bis sechsten Generation können wir sehen, was langfristig geschieht, wenn man auf das Beizen verzichtet." Am einfachsten ist die Arbeit des Züchters zu verstehen, wenn man mit ihm auf seine Versuchsfelder geht. Da sehen selbst Laien, was es heißt, wenn eine Weizensorte mehr "Beikrautbeschattungsvermögen" aufweist: Die Blätter sind länger. Es fällt mehr Schatten auf die Erde - das Unkraut bekommt keine Sonne und kann nicht so gut gedeihen.

"Dank der Agrarwende wurden uns wichtige Forschungsvorhaben bewilligt", sagt der 43-Jährige. Zum ersten Mal werde die Ökobranche da verändert, wo alles beginnt: an der Quelle, beim Saatgut. Allerdings: Das Bundesprogramm ökologischer Landbau ist bis 2003 befristet. Das heißt, nur eine Generation des Forschungssaatgutes kann beurteilt werden. Sollte eine neue Bundesregierung den Kurs von Verbraucherschutzministerin Renate Künast stoppen, kann Müller seine Hoffnungen begraben.