Vergangenen Samstag war Hoffest - und es kamen so viele Besucher wie nie. Aus Solidarität? Agnes Timmermann ist sich da nicht so ganz sicher. Natürlich war der Nitrofenskandal ein Thema, aber die meisten Kunden, sagt sie, "haben mich darauf mit einem Lächeln angesprochen, so nach dem Motto: Na, bei euch ist ja wohl nix, oder?" Nein, es ist nichts, zum Glück. Der Eierverkauf allerdings, der ging in den vergangenen Tagen schon zurück. Und das Putengeschnetzelte, das es neben der vegetarischen Suppe zum Hoffest geben sollte, wurde gegen eine Ratatouille ausgetauscht.

Den Hof der Timmermanns gibt es seit 1750. Er liegt ganz im Westen Hamburgs, im Stadtteil Sülldorf, dicht an der Grenze zum schicken Elbvorort Blankenese. Die Produkte wandern nicht in den freien Verkauf, sondern direkt in den angeschlossenen Hofladen - ganz gleich ob Ei oder Rindersteak. Agnes Timmermann, 36 Jahre alt und gelernte Krankenschwester, leitet den Laden. Auf 280 Quadradatmetern bietet sie über 3000 Produkte an und macht damit einen Umsatz von rund 750 000 Euro im Jahr. Im Schnitt, erzählt sie, kommen jede Woche fast 200 Kunden. "Wir sind zufrieden", sagt Agnes Timmermann, und das liegt vor allem an der Stammkundschaft. Viele Kunden kennt sie seit Jahren, sie weiß, welches Kind eine Allergie hat oder welche Großmutter an Asthma leidet.

Kunden, die hier kaufen, haben hohe Erwartungen. Und so hat sich die Mutter zweier Kinder konsequent fortgebildet: Käseseminare, Ernährungslehre, Warenkunde, Allergien. So viel Einsatz lohnt sich, meint sie: Die Kunden haben Vertrauen, das habe sich gerade in den vergangenen Tagen gezeigt. Dennoch hat sie eine "Riesenwut". "Wir haben auch viele Neukunden. Die überlegen jetzt nicht, ob sie vielleicht mal keine Bioeier kaufen, sondern ob sie überhaupt noch in einem Bioladen einkaufen."