Colin sieht elend aus. Kreideweiß und verschwitzt sitzt er auf der Tischtennisplatte vor seiner Zellentür, kaut auf den Fingernägeln und wartet auf das Mittagessen. Den letzten Methadonrausch hatte er vor drei Tagen. Sein Onkel schmuggelte die Pille bei einem Besuch in das Gefängnis. "Aber ich hab jetzt genug von dem Scheiß", sagt Colin. Die letzten 13 Jahre hat der 25-Jährige aus Rochdale in der Grafschaft Lancashire im Heroinrausch verbracht, die meiste Zeit auf der Straße. Seit neun Monaten sitzt er wegen Diebstahls hinter Gittern. 150 Pfund brauchten er und seine Freundin Eileen täglich für die Drogen. Eileen starb Anfang März an einer Überdosis. Wenig später wurde Colin vom Manchester Prison in das Gefängnis von Forest Bank verlegt. "Echt gut hier", sagt er. "Hier habe ich endlich die Chance, clean zu werden."

Forest Bank ist eines von elf privaten Gefängnissen, die in den letzten Jahren im Vereinigten Königreich entstanden sind. UK Detention Services (UKDS), ein privater Dienstleister im Freiheitsentzug, baute für 46,5 Millionen Pfund eine hochmoderne Haftanstalt für 800 Gefangene. Komplett mit Kapelle, Küche, Turnhalle und Bibliothek. Der Staat gibt nur noch den Rahmen vor, etwa die Mindestgröße der Zellen oder die Mindestzahl an Mahlzeiten. Den Rest regelt das Unternehmen selbst.

Luxusgefängnis mit Garten

"Wir operieren mit einem Punktesystem", erklärt Direktor Mike Goodwin. "Für Annehmlichkeiten wie einen eigenen Fernsehapparat in der Zelle muss jeder Insasse arbeiten. Viele bekommen dabei gleichzeitig eine Ausbildung, etwa als Schweißer in unseren eigenen Werkhallen, wo die Häftlinge Autoteile für Ford schweißen." Gemeinsam mit anderen Häftlingen hat Colin hinter der Kapelle einen Garten angelegt. So verbüßt er nicht nur seine Haftstrafe, sondern lernt zum ersten Mal in seinem Leben die Grundregeln des sozialen Umgangs. UKDS verstehe sich als Unternehmen "mit sozialer Verantwortung", sagt Goodwin. "Die Chancen, die unsere Häftlinge bei uns bekommen, sind der erste Schritt zu ihrer Reintegration in die Gesellschaft."

Soziale Verantwortung im Strafvollzug kostet natürlich Geld, aber das muss den britischen Staat nicht mehr sonderlich kümmern. Laut Vertrag wird er die nächsten 25 Jahre je 19,5 Millionen Pfund an UK Detention Services überweisen - und das Unternehmen muss sich dann Gedanken machen, wie man damit ein Gefängnis am profitabelsten führt.

Und nicht nur ein Gefängnis. Unter dem Stichwort Private Finance Initiative (PFI) sind in Großbritannien seit 1995 in knapp 500 Projekten auch Brücken, Straßen, Schulen und Krankenhäuser entstanden. Geplant, gebaut, betrieben und finanziert von Privat, im Auftrag des Staates. Kapitalvolumen: 22,7 Milliarden Pfund.

Der Staat wird Kunde. Sein Vorteil: Er wird das finanzielle Risiko los. Das jeweilige Unternehmen bekommt den Zuschlag - und danach nur so viel Geld wie vereinbart. Kostet der Bau oder Betrieb eines Gefängnisses oder Krankenhauses mehr als erwartet, muss nicht der Staat damit fertig werden, sondern das Unternehmen. Verzögert sich die Inbetriebnahme, kann es die vereinbarten Standards nicht einhalten, muss es Strafe zahlen. Und weil das Unternehmen das weiß, geht es besonders sorgsam mit dem Geld um.