Ja, leider! Wir müssen noch einmal auf die FDP zu sprechen kommen. 'tschuldigung! Aber nicht auf den Streit um den Antisemitismus. Auch nicht auf den Machtkampf zwischen dem Vorsitzenden und seinen Stellvertreter. Sondern auf das, worüber sie sich einig sind. Und das ist viel mehr, als man denkt - und auf die Dauer vielleicht sogar wichtiger, als all das, worüber wir so heftig gestritten haben in den zurückliegenden Wochen.

Einig sind sich die beiden in einer Werbestrategie der "Tabuverletzung", einig sind sie sich in einem irgendwie populistischen Ansatz. Und einig sind sie sich in dem Vorhaben "Protestpartei" zu spielen. (Übrigens könnte man über einige dieser Aspekte sogar eine Weile seriös diskutieren: Es gibt zum Beispiel tabuisierte Besitzstände in unserer Gesellschaft.)

Aber sich die FDP als "Protestpartei" vorzustellen, das löst bei mir doch einen intensiven Lachreiz aus. Wogegen will sie denn eigentlich protestieren? Wann in diesem Lande, außer in den Jahren 1957 - 1961 und 1966 - 1969 und seit 1998 hat sie denn im Bunde nicht mitregiert. Die Leute konnten ja, wenn man das einmal so sagen darf, wählen was sie wollten - sie bekamen (fast) immer die FDP als Dreingabe. Die FDP saß jedenfalls länger in der Bundesregierung als jede andere Partei, die Volksparteien eingeschlossen. Und jetzt entdeckt sie sich als Protestpartei. Dass ich nicht lache.

Die neue FDP, ein neo-populistischer Zwitter aus neuer Spaß- und alter Spießergesellschaft, soll also nach dem Willen von Westerwelle und Möllemann den Weg der Grünen in umgekehrter Richtung gehen: Waren die Grünen von der Protest- zu Regierungspartei gegangen, versucht es nun die FDP andersherum.

Aber auch das ist ja nur ein Trick aus der Kiste der neuen Spaßgesellschaft. Denn in Wirklichkeit spielt die FDP ja nur Protestpartei, damit sie so schnell wie möglich wieder Regierungspartei werden - und sich wieder in ihr altes Bett legen - kann. Da hat sie aber etwas vor: Erst auf die Schnelle zur Protestpartei, ein halbes Jahr später wieder verantwortliche Regierungspartei. Da muss einem Populisten ja regelrecht schwindlig werden. Wenn das Ganze nicht ohnehin ein Schwindel ist.

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