DIE ZEIT: Herr Bundeskanzler, das Wiener Koalitionsmodell Schüssel/ Haider kommt offenbar in Mode. Rechtspopulisten regieren jetzt schon in mehreren europäischen Hauptstädten mit. Fühlen Sie sich rehabilitiert?

Wolfgang Schüssel: Die österreichische Bundesregierung hat das nicht nötig. Wir sind ja keine Kriminellen, die sich rehabilitieren oder die resozialisiert werden müssen.

ZEIT: Auch nicht politisch?

Schüssel: Jeder sieht, dass meine Koalition in zwei Jahren mehr umgesetzt und durchgesetzt hat als andere Regierungen zuvor. Das reicht von europäischen Reformen und der Stärkung des Wirtschaftsstandorts bis hin zu der schwierigen Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit unseres Landes. All das haben wir nicht etwa angepackt, weil uns jemand auf den Prüfstand gestellt hat, sondern weil wir das selber so wollten. Die österreichische Regierung von Wolfgang Schüssel und Susanne Riess-Passer - Jörg Haider, mit dem ich damals die Koalition gemacht habe, ist ja nicht formelles Mitglied meiner Regierung, sondern Landeshauptmann von Kärnten ...

ZEIT: ... als solcher aber überaus aktiv, vor allem mit Querschüssen gegen Ihre Politik in Wien. Wie regiert man gegen eine solche permanente Opposition im eigenen Laden?

Schüssel: Dem kann ich überhaupt nicht folgen. Unsere Regierung ist äußerst erfolgreich, selbstverständlich mit den üblichen Disputen, die zu jeder Koalitionsregierung gehören. Unser Bündnis ist aber ein eigenes Modell. Es steht für niemanden in Europa Pate. Der Satz "Alles begann in Österreich", der jetzt als Warnung vor einem neuen europäischen Rechtspopulismus umgeht, war von Anfang an ein Unsinn.

ZEIT: Jedenfalls begann mit dem Wahlsieg von Haider und Schüssel in Österreich der Niedergang der europäischen Sozialdemokratie.