Ob Politikerin oder nicht: Das haben wir hier in Seoul genauso gesehen. Es war auch bemerkenswert, mit welchem Beifall der japanische Premierminister Junichiro Koizumi begrüßt wurde. Oberflächlich betrachtet, gibt es ohnehin keine Probleme der Koreaner mit den Japanern, es gibt japanische Restaurants hier, und man hat nicht den Eindruck, dass sie sich sorgen müssen. Sicher, es gibt ein starkes Polizeiaufgebot um diese Weltmeisterschaft, aber das ist wohl eher den Ereignissen des 11. September geschuldet. Ob es aber der Fußball ist, der die beiden lange Jahre verfeindeten Länder befriedet? Unter uns, die meisten Koreaner nehmen die WM kaum wahr.

Wie, die Koreaner wissen nichts von Zidane und Ronaldo? Die Armen. Doch nun zum Spiel. Könnte es sein, dass das Gerede vom Ende des Spielmachers Unsinn ist? Ich meine, Zidane hat gefehlt, und Frankreich hat prompt gegen Senegal verloren. Und was waren die Engländer froh, dass Beckham wieder gesund ist. Als er ausgewechselt wurde, ging ja nichts mehr bei den Briten.

Der Spielmacher ist out, das kennen Sie doch, der Regent, der rumsteht und die Bälle delegiert, den genialen Faulenzer, wie Netzer einer war, den gibt es nicht mehr. Aber den Superstar, den gibt es. Und wie! Das ist auch eine Frage der Psychologie: Ist Zidane verletzt, setzt sich schnell in den Köpfen der Gegner fest, dass sogar die Franzosen besiegbar sind, es schwindet die Ehrfurcht und die Furcht. Und umgekehrt: Die Mannschaften, die hier bei der WM spielen, mal Saudi-Arabien ausgenommen, spielen auf sehr hohem Niveau. Da kommt es auf Nuancen an, und die machen eben Ausnahmefußballer wie Zidane, Beckham, Figo, Ronaldo und vielleicht auch Ballack aus. Fehlt der Kopf, wird das Team unsicher. Und umgekehrt, gibt es einen charismatischen Regisseur, läuft's plötzlich wie von alleine. Ich glaube, Sie wissen gut, wovon ich rede.

Ja, ja, das weiß ich wohl. Da kommen wir doch lieber zur neuen Motivation der deutschen Mannschaft. Es ist doch vielleicht ein Ausdruck einer gewissen Demut, wenn die deutsche Mannschaft gegen Saudi-Arabien nach einem 3 : 0 nicht einen Gang zurückschaltet, um sich zu schonen, sondern kraftvoll weitermacht bis zum 8 : 0?

Und nicht schon an das Spiel gegen die Iren denkt, nicht wahr? Das war zumindest Ausdruck von Lust am Spiel, aber auch Respekt vor den Fans, vor allem auch im eigenen Land. Und das, obwohl wir vorher alle gesagt haben, die können genau das nicht, die erfüllen nur eine Pflicht. Ja, es schien, dass es ihnen Spaß macht, Fußball zu spielen. Man soll ja nicht den Tag vor dem Abend loben, aber es hatte fast den Anschein, als wäre die Phase der coolen Abkassierer wie Matthäus und Effenberg vorbei. Die, die in Yokohama gesiegt haben, sahen richtig gut aus.

Einspruch. Mit einer Ausnahme. Wer berät eigentlich optisch Christian Ziege?

Keine Ahnung. Jeder weiß, dass der Trend längst weg geht vom Martialischen. So glatzig und stiernackig treten neben Ziege und Jancker ja fast nur noch die Dänen auf mit ihrem Mittelfeld von Stig Töfting und Thomas Gravesen. Und die spielen auch noch so. Aber die Frage nach dem schönsten WM-Spieler, die müssen Sie schon selber beantworten. Vermutlich tobt der Kampf zwischen dem Portugiesen Nuno Gomes, Italiens Demetrio Albertini und Gabriel Batistuta, dem Argentinier.