Der jüngste Fund der Nasa ist Wasser auf die Mühlen der Marsenthusiasten. Ein "riesiger See" sei auf dem Roten Planeten entdeckt worden, schwärmte Bild und fragte gleich: "Gibt es Fische auf dem Mars?" Auch Nasa-Marsforscher Bill Feldman spekulierte kühn, das entdeckte "Wasser reicht aus, um eines Tages Menschen auf dem Mars zu versorgen". Was die Nasa-Sonde Mars Odyssey tatsächlich gefunden hat, ist allerdings nicht etwa Wasser, sondern eine Eisschicht; genauer: keine Eisschicht, sondern Wasserstoff; noch genauer: kein Wasserstoff, sondern spezielle Gammastrahlen, die auf das Vorhandensein von Wasserstoff hindeuten. Und der wiederum könnte von einer mit Eis durchsetzten Gesteinsschicht stammen.

Diese Schicht liegt in den Polgebieten knapp unter der Marsoberfläche verborgen. Schon in den mittleren Marsbreiten allerdings verlieren sich die frostigen Spuren tief im Untergrund. Dennoch heizt der Fund natürlich das interplanetare Reisefieber weiter an: Nach der amerikanischen Nasa träumt inzwischen auch die europäische Weltraumagentur Esa von einem Flug zum Roten Planeten. In genau einem Jahr, Anfang Juni 2003, soll der europäische Mars Express starten.

Doch insgeheim fürchten mittlerweile viele Wissenschaftler ein Debakel dieser Mission. Denn der Mars Express wird nicht nur aus sicherer Entfernung unseren Nachbarplaneten kartieren und auskundschaften, sondern auch die Landefähre Beagle absetzen, die nach Spuren außerirdischen Lebens suchen soll. Diese Landemission sprengt den Etat der Esa, stiftet Unfrieden unter den Forschern und gilt inzwischen als so riskant, dass aus der Suche nach den Marsbewohnern die größte Pleite der europäischen Raumfahrt zu werden droht.

Ausgelöst hat das Gezänk der britische Planetenforscher Colin Pillinger, der an der Fernuniversität Walton Hall lehrt. Er war es, der die Esa für die Idee begeisterte, auf dem Mars zu landen. Ursprünglich hatten die Europäer nur geplant, den Planeten aus einigen 100 Kilometern Höhe zu umkreisen und aus der Ferne auszukundschaften. Doch dann legte Pillinger die Pläne für ein eigenes europäisches Landegerät vor. Das Geld dafür, so versprach er vollmundig, werde er schon aufbringen. Bei der notorisch unterfinanzierten Esa war man begeistert.

Alsbald erwies sich Pillingers Projekt als Danaergeschenk. Der britische Planetenforscher hatte sich schlicht übernommen. Erst half ihm die britische Regierung aus, doch schließlich musste die Esa ihren Etat um 24 Millionen Euro aufstocken, um das bereits beschlossene Beagle-Projekt fortzuführen. Zwei Drittel dieser Summe gelten offiziell als Kredit, doch ob und wann der zurückgezahlt wird, weiß niemand. Es sei skandalös, wie das alles gelaufen sei, schimpft einer der beteiligten Forscher. Während man Pillinger mit Millionen unter die Arme greife, fehle gleichzeitig das Geld für die Auswertung der Bilder und Radaraufnahmen vom Mars. "Ein Großteil der Bilder wird gar nicht hier unten auf der Erde ankommen, weil das Geld für eine zweite Empfangsstation fehlt." Selbst David Southwood, der Leiter des Esa-Wissenschaftsprogramms, findet die Art und Weise, wie es zu der Beagle-Mission gekommen sei, "vollkommen unbefriedigend". Er würde das "sicherlich nicht noch einmal" so machen.

Aufprall mit 100 Sachen

Das Desaster beginnt vermutlich bereits beim Landeanflug. Denn die Landekapsel droht schlicht zu zerschellen. Die Esa spart an all den Sicherungssystemen, die für eine glückliche Landung unentbehrlich sind: an Airbags, Rückstoßraketen und Ersatzgeräten. Trotz ihres Fallschirms wird die Landekapsel mit 100 Stundenkilometern auf dem Mars aufschlagen. Die Nasa versucht üblicherweise, einen solchen Aufprall mit Rückstoßraketen auf das halbe Tempo zu reduzieren. Dafür fehlt bei der Esa das Geld. Drei große Airbags sollen Beagle stattdessen vor einem zu heftigen Aufprall schützen. Solche Airbags neigen leider allzu oft dazu, wie Luftballons zu zerplatzen. "Die ersten Tests mit den Airbags sind schief gegangen", räumt Rudolf Schmidt, Projektleiter für die Mars Express-Mission, ein.