Jeder tut es ab und zu: bei Rot die Straße überqueren. Altglas in die falsche Tonne werfen. Raubkopieren.

Umsätze im Wert von 3,2 Milliarden Euro sind im vergangenen Jahr der Musikindustrie durch die Lappen gegangen - weil Songs aus dem Internet heruntergeladen oder auf CD-Rohlinge gepresst worden sind. Illegal. Viele von uns haben daran mitgewirkt.

Diesen Status quo zu erhalten, hat sich eine neue Initiative auf die Fahnen geschrieben. Und weil "berauben" (aber auch "befreien") auf Lateinisch privare heißt, nennt sich diese Initiative wohl auch "Rettet die Privatkopie".

Das mit der Illegalität ist freilich nicht ganz so einfach. Bislang nämlich sind Kopien für den privaten Gebrauch durchaus nicht verboten, sondern, seit 1965, ausdrücklich durch das Urheberrecht erlaubt - als Kompensation dafür werden pauschale Abgaben auf Geräte und Blanko-Tonträger erhoben, die dann den Urhebern zugute kommen. Seit aber Musikstücke, Filme und Software nicht nur ohne Qualitätsverlust digital kopiert, sondern die digitalen Klone auch ungehindert über Internet-Tauschbörsen verbreitet werden können, sind solche "Kopiergebühren" nicht mehr einzutreiben. Deshalb wollen Unterhaltungskonzerne die Privatkopie abschaffen - noch dieses Jahr.

Die Politiker sollen ihnen dabei helfen. Bis Ende 2002, spätestens bis Mitte 2003 soll in Deutschland die EU-Richtlinie zum Digitalen Urheberrecht umgesetzt werden. Ob und in welchem Umfang Inhalte, die auf CDs oder via Internet angeboten werden, verschlüsselt und kopiergeschützt werden dürfen und inwiefern es strafbar ist, den Kopierschutz zu umgehen, soll mit diesem Gesetz geregelt werden. Einen Entwurf gibt es schon. Danach ist es verboten, den Sperrmechanismus auf einer CD zu knacken. So ganz sicher war sich allerdings das Bundesjustizministerium seiner Sache nicht. Denn wer den Kopierschutz bloß zum privaten Gebrauch außer Kraft setzt, soll straffrei ausgehen.

Schon formiert sich der Widerstand: Verbietet man die Privatkopie, so beschneidet man Völker- und Bürgerrecht, argumentieren der Münsteraner Informatikprofessor Thomas Hören und der Grüne Matthias Berninger. Die Anbieter dagegen befürchten, dass ihnen langfristig die Existenzgrundlage entzogen wird, wenn man alles beim Alten belässt.

Mit ein paar Jahren Verspätung hat die Industrie begonnen, über Auswege aus dem Dilemma nachzudenken. Es gibt bereits Konzepte, nach denen herkömmliche Tonträger wie die CD hinfällig werden - und damit auch der Kopierschutz überflüssig. Mit dem so genannten Digital Rights Management (DRM) soll es dem Verbraucher von Inhalten, also dem Hörer, Leser, Zuschauer oder Spieler, erlaubt sein, eine kontrollierte Anzahl von Kopien für den eigenen Gebrauch zu erstellen.