Offensichtlich hat Pessons Erinnerung einen Sprung gemacht vom Klavierstück zu der Besetzung des Klarinettenquintetts op. 115, denn er wählt für sein Nebenstück (1998) nicht nur dieselbe Besetzung von Klarinette und Streichquartett, sondern zeigt nebenbei, wie Brahms sich in der Wahl der Mittel selbst treu blieb: dieselbe Anmut der Melodie, die gleichen Sehnsuchtsmotive, der nämliche Wille zur Idylle in gefährdeter Stunde. Das ensemble recherche stellt uns Kammermusik des hier noch unbekannten, 44-jährigen französischen Komponisten vor (aeon AECD 0106; Vertrieb: info@ensemble-recherche.de). Es sind sehr zarte Stücke, mit sehr delikaten Klängen, aus deren Zaubergarten immer wieder Vertrautes hervorblitzt.

Mes béatitudes(Meine Glückseligkeiten), ein Klaviertrio, ist gar eine Musik aus dem Papierkorb. Da, wo die schönen Stellen landen, ist es nicht gemütlich. Staub, zerknülltes Papier, verworfene Ideen. Zu laut, zu banal, zu naheliegend, zu weitschweifig oder zu sentimental - es gibt viele gute Gründe, Notate verschwinden zu lassen. Pesson hat seinen Papierkorb richtig gedeutet, denn keinesfalls das Nichtige findet dahin seinen Weg, sondern die Herzenssachen, die, aus denen skrupellosere Charaktere Sinfonien oder Opern geschmiedet hätten, die heimlichen Leidenschaften: zu ausschweifend, zu schön, zu viel Kalorien, um wahr zu sein.

Bei der Durchmusterung seiner Schnipsel erschlossen sich zwischen ihnen schlagende Verbindungen zu einer wunderbaren, verkehrten, klangvollen Welt - eine Musik des Rostes, der Korallen und des Wisperns im Staub.