Weil Lermontow aber als letzter großer russischer Romantiker und einsamer Individualist in die Literaturgeschichte eingegangen ist und schon mit 27 Jahren bei einem Duell sein Leben verlor, lässt sich die Zuneigung von Edwyn Collins durchaus verstehen. Auch Collins hat seine größte, einflussreichste Zeit in frühester Jugend gehabt, vor 20 Jahren mit der Band Orange Juice. Damals galt er als Poperneuerer, der mit Tolle, Sonnenbrille und engen Hosen den rauen, englischstämmigen Northern Soul in ein schillerndes Sound-Gewand überführte. Schon Mitte der Achtziger jedoch, als Pop wieder lärmen sollte, war Schluss mit Orange Juice. Collins machte unverdossen weiter auf der Suche nach der Essenz von Pop, allein glücklos und randständig. Immerhin widerfuhr ihm mit dem Singlehit A Girl Like You noch einmal historische Gerechtigkeit. Von der er aber nichts wissen wollte: "I'm not following you" hieß seine Antwort, als ein Sequel anstand.

Solcherart autonom räsoniert er nun auf Doctor Syntax lässig über die beste Basis seiner Arbeit, über das Hinterzimmer, durch das jeder Erfolg und Exzess führt: "Going back to the backroom, I'm operating in a vacuum". Weniger als ein Doktor Syntax ist Edwyn Collins ein wackerer Synthetiker in eigener Sache. Ein Singer und Songwriter, der nichts gegen elektronische Produktionsmittel hat; der zugleich Fan der Beatles, schwelgerischer, depressiver Träumer und Tanzbär ist. Mit dem Gassenhauer 20 Years Too Late tut er so, als sei er noch mal 20 und lacht trotzdem über sich: "You only kick me, when I'm down, you're only 20 years too late".

Keine Frage, dass er die Gesetze des Marktes kennt und sein Produkt zu taxieren weiß. Die CD sieht aus wie der Deckel einer Dose mit feinem Kaviar. Eine Kaufempfehlung, die er aber gleich wieder pariert mit dem Satz, der Teufel stecke im Detail, "and the detail is not for sale". Zu schön und zu schlau, um in diese Zeit zu passen, aber aller Ehren und Versuche wert. Insofern stimmt es trotzdem: Edwyn Collins ist ein Held unserer Zeit.