Nairobi/Kenia

Mit Genugtuung präsentiert Mary Rabilo ihre kleine Farm. Zunächst Lady Diana, die braun-weiß gefleckte Kuh, die sanfte Klapser mag und genüsslich den Hals ans Gatter reckt. Dann schaukelt die runde Kenianerin Richtung Maisfeld, bunt leuchtet ihr Rock auf dem Lehmpfad. Auf dem Acker stehen die Pflanzen mannshoch und dunkelgrün im Saft. Seit drei Jahren bringt der Mais mehr Ertrag als früher, manchmal das Zwei-, Dreifache - existenziell wichtig, wenn man zehn Kinder von einem knappen Hektar ernähren muss.

Ein schmaler Streifen von Rabilos Maisfeld im regenzeitfeuchten Suba District Kenias sieht dagegen noch aus wie früher: blasse Pflanzen, krumm und fleckig, kaum einen Meter hoch. Das ist das Werk des Stängelbohrers. Die Larven dieser Motte nisten sich in den Halmen ein und fressen in ganz Afrika 15 bis 40 Prozent des wichtigen Grundnahrungsmittels weg. Die Kümmernis ist zudem wild durchwachsen von den pinkfarbenen Blüten des Hexenkrauts, wie es der Volksmund nennt. Striga hermonthica entzieht der Wurzel Nahrung und zerstört ein weiteres Fünftel der Ernte. Stängelbohrer und Hexenkraut zusammen schaffen auch schon mal das ganze Feld. Dabei haben sie mit den Monokulturen am Viktoriasee, die dort in Jahrzehnten den Boden auslaugen, leichtes Spiel.

Doch auf Mary Rabilos Farm sind die beiden Schädlinge besiegt - dank einer Pflanzmethode, die Forscher vom Internationalen Zentrum für die Physiologie und Ökologie der Insekten (Icipe) entwickelt haben. Push-pull nennt sich das Verfahren, frei nach Doktor Doolittle: "Stoß-dich-zieh-dich." Unter das Getreide wird Desmodium gesetzt, eine Hülsenfrucht, deren Geruch der Stängelbohrer nicht ausstehen kann. Umso anziehender ist für den Abgestoßenen das rund ums Feld gepflanzte wuschlige Napiergras. Er flattert aus dem Feld und sitzt in der Falle: Napier, das sich lange vor dem ursprünglich südamerikanischen Mais mit dem Schädling herumschlug, hat mit einem klebrigen Sekret eine Abwehrtechnik entwickelt. "Das Insekt bleibt hängen und trocknet regelrecht aus", triumphiert Nyagol Dickens, ein Mitarbeiter des Icipe-Teams um den Inder Zeyaur Khan. Zugleich sondert die Desmodiumwurzel eine Substanz ab, die das Wachstum des Hexenkrauts blockiert - zwei Schädlinge mit einer Klappe.

Die genial einfache Methode ist das Ergebnis jahrelanger detektivischer Verhaltensforschung, Suche und Erprobung der richtigen Pflanzenkombination. Allein 400 Gräser testete Khan, bevor das Icipe Erfolg melden konnte. Doch diese faszinierende Form der Biotechnologie entwickelt sich weitgehend im Schatten einer Debatte, die allzu einseitig um die Verheißungen neuer gentechnischer Methoden auf dem Acker kreist.

Dabei bieten sich die biologische Schädlingskontrolle und andere Methoden des ökologischen Landbaus, die in den Wohlstandsgesellschaften Gesundheit und Umweltschutz dienen, als ebenso kostengünstige wie wirkungsvolle Strategie im Kampf gegen Armut und Hunger an. Das gilt insbesondere für Afrika, dem "Ground Zero des globalen Ernährungsproblems" (World Watch Institute). Die Frage, wie dort und anderswo der Hunger besiegt werden kann, steht vom 10. Juni an beim Welternährungsgipfel der Vereinten Nationen in Rom auf der Tagesordnung. Dort wird eine bittere Bilanz präsentiert: Noch immer sind über 800 Millionen Menschen weltweit unterernährt - zwei Drittel davon leben in ländlichen Gebieten, und viele hungernde Slum-Familien sind ebenfalls den schlechten Lebensbedingungen auf dem Land entflohen.

Vor allem mittellose Kleinbauern oder Landarbeiter brauchen Lebensmittelsicherheit und Perspektiven. Das bestätigt auch der jüngste Armutsbericht für Kenia, wo drei Viertel der Bevölkerung weitgehend von der Landwirtschaft abhängig sind. Gerade ihnen könnte der Bioanbau helfen, mit geringem Kosteneinsatz die Produktivität ihrer Äcker zu steigern - schon weil die Kleinbauern für Dünger und chemische Schädlingsbekämpfungsmittel schlicht kein Geld haben. Dabei strapazieren sie den Boden im Übermaß: Da die Bevölkerungsdichte wächst, wird der Acker unter immer mehr Familienmitgliedern aufgeteilt, aus jedem Quadratmeter das Letzte herausgeholt. "Traditionell zogen viele Bauern mit dem Anbau weiter, wenn ihr Land nichts mehr hergab", sagt John Wanjau Njoroge, Gründer des Kenya Institute for Organic Farming (Kiof). "Dafür fehlt heute der Raum. Aber mit ökologischem Landbau kann man umweltschonend intensivieren."