Beim Stichwort "intelligentes Haus" denken die meisten Menschen an Kühlschränke, die automatisch Milch und Eier nachbestellen, oder an Kaffeemaschinen, die für Morgenmuffel vorausschauend das Heißgetränk bereithalten. Auf "intelligente Gebäude", die den Büroalltag erleichtern, kommen die wenigsten, obwohl die Technik in diesem Bereich schon viel weiter ist.

Schalter sind dort längst überflüssig. Petra Zellmer von der Firma RaumComputer aus Karlsruhe macht es vor: Mit der Maustaste steuert sie ein paar Buttons auf dem Bildschirm ihres Notebooks an, schon fährt die Jalousie nach unten. Auf einmal geht das Deckenlicht an. "Wer ist das denn jetzt?", wundert sich Zellmer kurz und sieht ihren Chef Ludger Hovestadt: Über seinen Taschencomputer regelt er die Lampen. Wären sie kaputt, könnte der den Schaden auch per E-Mail der Hausverwaltung melden. Oder die Jalousie wieder hochfahren.

Was an diesem Apriltag auf der Messe Light and Building in Frankfurt zu Demonstrationszwecken aufgebaut ist, erleichtert bereits seit eineinhalb Jahren den Alltag von 1400 Mitarbeitern in der neuen Deutschlandzentrale von Microsoft in München. Es ist ein neuartiges Computersystem, mit dem sich alle technischen Dienste und das betriebswirtschaftliche Management eines Gebäudes integrieren und steuern lassen.

Hovestadt nennt es wie die dazugehörige Firma den RaumComputer. Dass derselbe Bauherr zurzeit ein weiteres Großprojekt in München mit dem System ausstattet, zeugt von der Zufriedenheit der Nutzer. Hovestadt füllt eine alte Idee mit Leben: die Idee des "intelligenten Gebäudes" (siehe Kasten).

In seinem Bemühen ist Hovestadt nicht der Einzige. Unbemerkt von der Öffentlichkeit, treiben Firmen in ganz Deutschland die Integration von Architektur und Informationstechnologie im Gewerbebau voran - meist kleine Unternehmen von 10 oder 20 Mitarbeitern. Sie verbessern mit Computersimulationen Belüftungssysteme von Fabriken, wie Heliograph aus Aachen. Oder sie optimieren mit digitalen Türschildern das Raummanagement von Bürohäusern, wie Tegralis aus Kassel. Das klingt nach technischen Tüfteleien, betrifft aber ein Bauvolumen von knapp 70 Milliarden Euro.

Fragen der Gebäudeautomation wie eine präsenzabhängige Beleuchtung sind dabei nur ein Aspekt. Es geht auch um Brandschutz, vor allem aber um ein effizientes Gebäudemanagement: Welche Mitarbeiter sind in Urlaub? Welche Büros müssen beheizt und gereinigt werden? Wie sollen die entstandenen Kosten abgerechnet werden? Die neue Arbeitswelt hat die Anforderungen an ein Gebäude verändert: Global aktive Unternehmen ersetzen den örtlich klar definierten Arbeitsplatz durch mobile, oft nur noch zeitweise genutzte Büros. Und ob Siemens oder Start-up - keine Firma weiß, wie sie in fünf Jahren aussehen oder wie viele Mitarbeiter sie haben wird, zu schnell werden neue Kompetenzfelder aufgebaut und alte abgestoßen. Gebäude müssen sich daher schnell an neue Arbeitsstrukturen oder Nutzer anpassen lassen, sie müssen auf die Arbeitnehmer reagieren können - eben "intelligent" sein.

Beispiel Festo: Die Firma aus dem schwäbischen Esslingen zählt zu den weltweit führenden Herstellern pneumatischer Anlagen und beschäftigt mehr als 10 000 Menschen, davon 1200 im neuen Technologiezentrum am Hauptsitz. In der Zentrale treffen sich auch die Arbeitsteams aus ausländischen Tochterunternehmen, die teilweise nur für wenige Tage zusammenkommen. Doch wie lassen sich in einem solchen Gebäude Räume reservieren, wie die Kosten ihrer Nutzung exakt abrechnen? Wie finden Besucher bei sich ständig ändernden internen Arbeitsstrukturen ihren Ansprechpartner? Und wie lässt sich ein über alle Kontinente verstreutes Unternehmen als Einheit erleben und begreifen, ohne die dröge "Flaggenparade vor dem Gebäude", wie sie Axel Thallemer, verantwortlich fürs Corporate Design, explizit nicht wollte?