Ich wusste, was los war. »Das Experiment«, sagte ich zu meiner Liebsten, und ich meinte das Opel- Astra-Cabrio. Ich habe von Cabrios wenig Ahnung, aber ein Werbefachmann hatte mir erklärt, das Wichtigste dabei sei, eine Marke zu wählen, die im Freundes- und Bekanntenkreis hohes Ansehen genieße, denn man kaufe vor allem eins: Image. Was ich denn testen würde, fragte er noch, und dann lachte er und wollte es mir nicht glauben.

Ich hatte mir den Kopf nach Opel fahrenden Freunden zermartert, und mir war nur der Hausmeister meines ehemaligen Gymnasiums eingefallen, doch der war alles andere gewesen als mein Freund. Stattdessen fand ich im Internet die Kritik eines Astra-Cabrio-Käufers, im Wesentlichen euphorisch, unter »Nachteile« jedoch war lakonisch vermerkt: »Opel.«

Ich bin stolz darauf, keine Vorurteile zu kultivieren, gerade wenn sie so überholt sind, wie es die Opel-Werbekampagne nahe legt. Was wäre, hatte ich meine Liebste gefragt, wenn wir uns in den Testwagen setzen, Freunden begegnen, ein Hotel an der Ostsee aufsuchen und sehen, was passiert? Sie hatte gelächelt und gesagt: »Du willst ein Experiment.«

Nikolaus reiste am folgenden Tag ab, nach wie vor wortkarg, aber, sagten wir uns, er hatte vielleicht einfach nur viel im Kopf. Wir nahmen das Cabrio genau in Augenschein. Schick von vorn, keilförmig von der Seite, aber ... »Das Heck«, sagte meine Liebste. »Was ist damit?«, fragte ich. »Ach, nichts«, sagte sie. Sie hatte Recht. Wir wollten alles ganz offen angehen, und vermutlich waren wir ein wenig zu konservativ, was Heckformen betraf. Außerdem, erinnerte ich mich, werden neue Automodelle gelegentlich mit fremden Bauteilen überklebt, um Paparazzi zu täuschen. Aber das Heck war nicht aufgeklebt. Das hochgezogene, auftrumpfende Aber-hallo-hier-bin-ich-Heck, ein Heck, das unwillkürlich 16 Lautsprecher auf der Rückablage befürchten ließ. »Wir sehen es ja beim Fahren nicht«, sagte ich. »Und der Kofferraum schluckt erstaunlich viel.«

Mehr noch. Beim Druck auf die Cabrio-Taste setzte eine perfekte Choreografie aus Stoff und Blech ein, 31 Sekunden, die ruhig länger dauern könnten und nach denen man sich dabei erwischt, wie man die Titelmusik von James Bond trällert. Wir mussten nicht lange trällern. Es gab ein Instrument, gleichzeitig Radio, CD-Spieler, Telefon, Navigator und Hotline zum Assistence-Service.

Vermutlich sind Cabriofahrer eher kleine Menschen. Ich bin 1,86 Meter und wir hatten längst nicht Landstraßentempo erreicht, da begann es, an der Stirn bedenklich zu ziehen. Ich fand heraus, dass sich der Luftzug bei halb liegender Fahrweise in gleichem Maße reduzierte wie die Übersicht über den Straßenverkehr, und ich wunderte mich, dass meine Körperhaltung die Insassen anderer Autos so gar nicht verwunderte. Dann fiel mir das Heck ein. Wir schlossen das Dach.

Es zeigte sich, dass das Astra-Cabrio sich tadellos fahren ließ und sicher auf der Straße lag. Nur die Reaktion der anderen Autofahrer gab mir weiter zu denken. Sie lächelten nicht. Sie sahen uns nicht anerkennend an. Sie beachteten uns nicht. Fährt man nicht Cabrio, um beachtet zu werden?