Für die meisten Tschechen und Slowaken war und ist die Vertreibung eine Konsequenz aus der Zerschlagung ihrer Republik durch die Nazis unter massiver Beteiligung der Sudetendeutschen. Gleichzeitig haben die Benec-Dekrete symbolische Bedeutung als ein zweiter Akt der Staatsgründung nach der Zerstörung durch Hitlers Aggression.

Aus deutscher Sicht ist aus den Benec-Dekreten neues Unrecht entstanden. Besonders die "wilde Vertreibung" bis zum Juli 1945 forderte Zehntausende Opfer. Das Mindeste, was die deutsche Seite verlangt, ist eine Distanzierung von jenen Gesetzen, die den odsun zur Folge hatten. Prag und Bratislava fürchten, dass sie nach einer solchen Distanzierung von Restitutionsanträgen überflutet werden. Das Prager Abgeordnetenhaus hat im April einstimmig beschlossen, dass die Rechts- und Eigentumsansprüche, die sich aus den Benec-Dekreten ergaben, "nicht anzuzweifeln, unantastbar, unveränderlich" seien.