DIE ZEIT: Sie sind Rektor an der Justus-von-Liebig-Schule in Bruckmühl. Für die Kinder Ihrer Schülerinnen haben Sie jetzt eine Tagesmutter organisiert, zuvor haben Sie selbst babygesittet. Ungewöhnliche Aufgaben für einen Schulleiter ...

Günter Rychlik: Das war zunächst eine Verlegenheitslösung. Im Februar 2000 brachte die erste Schülerin ein Kind zur Welt. Weil sie ihren mittleren Schulabschluss machen wollte, habe ich gesagt: "Bring das Kind halt mit, wir schaffen das schon." Auch als sich für dieses Schuljahr eine Schülerin bei uns anmeldete und sagte: "Ich habe aber ein fünf Monate altes Baby", haben wir ihr sofort erlaubt, ihre Tochter mitzunehmen. Es geht doch darum, dass die Mädchen ihren Abschluss machen.

ZEIT: Wie haben Sie Kinderhüten und Rektor-Job vereinbart?

Rychlik: Es war kein großer Aufwand und störte den Schulbetrieb nicht. Das funktioniert wie in einer Großfamilie. Wenn ich telefonieren musste, und das Kind hat gequengelt, dann hat es mir eine Mitarbeiterin abgenommen. Außerdem herrscht im Schulsekretariat ein ständiges Kommen und Gehen. Ein Kind oder eine Lehrerin schaut herein, redet mit dem Baby und gibt ihm ein Spielzeug. Die fünf oder zehn Minuten, die man das Kind mal auf dem Arm hat, vertrödelt man sonst auch mit irgendwas. Wickeln und Füttern haben die Mütter selbst übernommen - dazu haben wir sie mit einem Piepser ausgestattet und angefunkt.

ZEIT: Weshalb dann die Tagesmutter?

Rychlik: Im Februar brachte noch eine Schülerin einen Sohn zur Welt - natürlich durfte sie ihn anfangs auch bei uns im Büro lassen. Aber zwei Babys - das kann eine Schule nicht nebenher leisten. Die Schülerinnen geben ihre Kinder nach wie vor morgens im Büro ab, gegen halb neun kommt die Tagesmutter, die vom Jugendamt finanziert wird.

ZEIT: Müssten sich nicht die Eltern der Schülerin um den Nachwuchs kümmern?