Ich kann "unsere Elizabeth" sagen, denn sie ist auch meine Queen. Als ich vor einigen Jahren britische Staatsbürgerin wurde, musste ich sogar einen Treueeid auf Ihre Majestät die Königin und ihre Nachfahren ablegen, was ich auch pflichtgemäß tat. Ich muss gestehen, dass ich trotz meines Treueeids als Untertanin immer noch blutige Anfängerin bin und viel zu lernen habe. So glaubte ich lange Zeit, England habe zwei Königinnen, Elizabeth und Margaret Thatcher, denn sie trugen die gleiche Kleidung und die gleichen schrecklichen BHs und schienen den gleichen Mann zu haben. Aber das ist lange her.

Noch länger ist es her, dass das Haus Windsor das Haus Sachsen-Coburg-Gotha genannt wurde, das auf das Haus Hannover folgte. Deswegen frage ich mich immer, ob die Queen, deren Familie wie so viele andere Einwohner dieses Landes von Einwanderern abstammt, im selben Loyalitätskonflikt steckt, wenn die englische Fußballmannschaft gegen die deutsche spielt oder wie Englands schwedischer Trainer Sven-Goran Eriksson vergessen muss, dass seine Mannschaft sein Vaterland schlagen will. In seiner stoischen Gelassenheit verzieht Sven ebenso wenig die Miene wie die Queen, aber dieser Zufall hat keine tiefere Bedeutung. Ich musste es trotzdem erwähnen, weil ich, wie dieser Tage die meisten Engländerinnen (und Engländer), für ihn schwärme. Ich finde sogar, dass Britannien zwischen Svens coolem Sexappeal und dem märchenhaften Jubiläum der Queen einen freudigen und unbekümmerten Rauschzustand erlebt, der wirklich einer anderen Ära angehört. Als wir alle zusammen mit Paul McCartney "Yesterday" sangen, konnten wir unsere apokalyptische Gegenwart für kurze Zeit vergessen, und genau dafür sind Thronjubiläen schließlich da - sie bauen Brücken zwischen apokalyptischen Epochen und schaffen damit Kontinuität.

Nach dem atemberaubenden Konzert erwarteten wir, Ihre Majestät würde zum Mikrofon greifen und etwas Nettes wie "vielen Dank" sagen. Vielleicht dachte sie es, aber sie sagte kein Wort, nicht in diesem Augenblick, was Millionen von Menschen schwer enttäuschte - auch mich. Aber wenn ich bedenke, dass der deutsche Kaiser Wilhelm II. ein enger Verwandter von ihr war, darf ich meine Erwartungen wohl nicht zu hoch schrauben. Andererseits habe ich gehört, dass Ihre Königliche Hoheit David Beckham Ihren königlichen Segen erteilen wird, damit er für die Weltmeisterschaft fit ist, also stehen sie und ich eindeutig wieder auf derselben Seite.

Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach
Von Elena Lappin erschien zuletzt "Natashas Nase".
Nächste Woche schreibt an dieser Stelle: Antje Ravic-Strubel