Das bekam jüngst der SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph Moosbauer zu spüren. Während der Nahostdebatte am 25.April erklärte der 33 Jahre alte Außenpolitiker, nebenbei Vizepräsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, seine "Solidarität mit Israel". Aber er sprach ebenso von berechtigtem Widerstand gegen die israelische Regierungspolitik. Und er schloss seine Rede mit den Worten: "Wenn ich heute Kritik an der israelischen Regierung übe, dann nur aus einem Beweggrund - aus tiefer Sorge um ein geliebtes Land." Fünf Tage später forderte Möllemann auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der DAG, Moosbauer solle sein Amt zurückgeben. "Es sei nicht hinnehmbar", zitiert das Sitzungsprotokoll den Präsidenten Möllemann, "dass ein Vorstandsmitglied in einer zentralen Frage des Selbstverständnisses der Gesellschaft konträre Positionen vertrete und den Gegnern der Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechtes der Palästinenser Steilvorlagen liefere." Damit war das Urteil gefällt. Die nähere Begründung im Fall Moosbauer übernahm Aref Hajjaj, ein weiterer Vizepräsident der DAG, aber Möllemann-treu. Moosbauer sei als "Sympathisant Israels" entlarvt, erklärt der aus Palästina stammende promovierte Politologe und: "Vielleicht ist dies auf die Zeiten seines Aufenthalts im Kibbuz in Israel zurückzuführen, die ihn eine moralische Verpflichtung gegenüber Israel wegen der Naziverbrechen empfinden und die Gründung des Hebräischen Staates auf eine romantische, humanistische Weise sehen lassen, die sich von unseren Bewertungen unterscheidet."

Seitdem fragt Christoph Moosbauer sich zweierlei. Zunächst einmal, was für ein Kibbuz das gewesen sein soll. Er kann sich nämlich an keinen erinnern. Aber vor allem: Was sind denn nun die Bewertungen der Deutsch-Arabischen Gesellschaft? Was für ein Selbstverständnis hat sie? Als er sich vor gut zwei Jahren auf Vorschlag des SPD-Fraktionschefs Peter Struck in den Vorstand der DAG wählen ließ, hatte Moosbauer jedenfalls nicht erwartet - sagt er -, dass der Vereinszweck darin bestehe, "gemeinsam auf Israel einzudreschen".

Nach Buchhändlerlehre und Politikstudium war Moosbauer Juso-Chef in München; 1998 erfolgte die Wahl in den Bundestag. Dort begibt sich der Neuling mit dem Schwerpunkt Nahostpolitik sogleich auf ein Minenfeld. "Wer da versucht, eine halbwegs differenzierte Meinung zu vertreten, findet sich schnell zwischen allen Stühlen wieder." Erst neulich habe ihm das American Jewish Committee Antisemitismus vorgeworfen. Und jetzt nennt ihn die Deutsch-Arabische Gesellschaft einen "Brunnenvergifter". Eine symptomatische Wortwahl? "Absolut. In der Gesellschaft gibt es eine ganze Reihe von Antisemiten, ganz klar."

Die Satzung des eingetragenen Vereins mit Sitz in Berlin nennt als ihr Ziel die Förderung der deutsch-arabischen Freundschaft. "Hinreichend und objektiv unterrichten" will die DAG zudem über die Probleme in den arabischen Ländern. Doch seit der jüngsten Zuspitzung der Nahostkrise drängt sich der Eindruck auf, dass im DAG-Präsidium zu einer Hetzjagd geblasen wird - unter dem ungewöhnlichen Vorzeichen: Kampf den Israelfreunden!

Vizepräsident Aref Hajjaj freut sich sichtlich, endlich einmal zu einem heiklen Thema zu Wort kommen zu dürfen. Man spürt, wie unter der Oberfläche seiner akademischen Erziehung die Emotionen brodeln. Hajjaj spricht hervorragendes Deutsch und klingt gar nicht wie ein Funktionär. "Im Grunde gehört Herr Moosbauer der anderen Seite an", sagt er. "Man kann eine ausgewogene Position haben, aber bei dem Eintritt in eine Gesellschaft muss man Prioritäten setzen. Wir sind eine Art politischer Verein." Antisemitisch?

Nein. "Aber antiisraelisch muss man schon sein dürfen." Auf seine Biografie angesprochen, gibt Hajjaj Auskünfte, die so stichwortartig sind wie das Rezept für eine Fertigsuppe - vielleicht, um gar nicht erst den Verdacht entstehen zu lassen, er habe irgendeine Wut zu unterdrücken: 1948, mit fünf Jahren, aus Jaffa vertrieben. Im Libanon aufgewachsen, in Kuwait zur Schule gegangen, 1961 zum Studium nach Deutschland gegangen. Also gut, er will gar nicht lange um den heißen Brei herumreden. Die Staatsgründung Israels, "die war ein historischer Fehler. Denn mit dieser Lösung der Judenfrage hat man eine neue Frage geschaffen, unter der bis heute die ganze Welt leidet, nämlich die Palästinafrage."

Ariel Scharons Feldzug gegen die Palästinensergebiete stellt die DAG auf eine Zerreißprobe. "Farbe bekennen!", fordern altgediente Mitglieder. Für Aref Hajjaj könnte das durchaus heißen, die Gesellschaft als eine Art Gegenorgan zum Zentralrat der Juden zu etablieren. Doch das zu erreichen, sei schwierig. Deutschland sei dafür einfach viel zu politisch korrekt. "Hier kann man nicht so offen sein wie in Frankreich." Bisher ist die Deutsch-Arabische Gesellschaft eher eine Mischung aus Levantefreunden und Hobbydiplomaten, die nebenbei eine Firmenkontaktbörse betreiben. Zu den 1100 Mitgliedern zählen neben Einzelpersonen auch mehr als 330 Unternehmen. In den Mitgliederlisten finden sich Vertreter von Firmen wie E-Plus, der Aachener und Münchener Versicherung, der Berliner Bank AG, der Swissplan First Finance AG oder des Verbandes der Forschenden Arzneimittelhersteller.