Was kostet die Scheidung? Ein kleines Programm, das Antwort auf diese Frage gibt, ist das erfolgreichste Bezahlangebot bei Focus-Online. "Der Unterhaltsrechner läuft wie Hölle", sagt Vernon von Klitzing, verantwortlich für die Vermarktung der Focus-Angebote im Internet. Seine Begeisterung lässt sich allerdings nur mit niedriger Erwartung erklären. Bisher sind maximal 60 Surfer am Tag bereit, 4,99 Euro in die elektronische Scheidungsfolgenberatung zu investieren. "Schwarze Zahlen schreiben wir damit noch lange nicht", gibt von Klitzing zu. "Zehn Jahre Kostenloskultur lassen sich nicht über Nacht in ein Bezahlparadies verwandeln."

Doch während es vor zwei Jahren noch als unmöglich galt, mit dem Verkauf von Inhalten im Internet Geld zu verdienen, experimentieren inzwischen immer mehr Online-Dienste mit Bezahlangeboten. Es bleibt ihnen auch gar nichts anderes übrig, denn seit Beginn der Krise am Neuen Markt sind ihre Werbeeinnahmen stark rückläufig. Die Hoffnung, Online-Angebote ausschließlich über Reklamebanner zu finanzieren, hat heute niemand mehr. Einen langsamen Bewusstseinswandel hat die Marktforschung auch bei den Surfern festgestellt. Ein Drittel bis die Hälfte aller Nutzer seien mittlerweile bereit, für bestimmte Informationen Geld auszugeben, haben Studien der letzten Monate ergeben. Und schließlich stehen erstmals reibungslos funktionierende Verfahren zum Bezahlen von Kleinstbeträgen im Netz zur Verfügung.

Pionier und Branchenprimus bei den kostenpflichtigen Internet-Inhalten ist die Stiftung Warentest. Schon im Juli 2000 fing sie an, Testberichte im Internet gegen Bezahlung anzubieten. Inzwischen hat der Monatsumsatz 40 000 Euro überschritten, im virtuellen Medium verkaufte Informationen machen damit knapp ein Prozent des Gesamtumsatzes aus. "Wir profitieren von unserem extrem guten Ruf", sagt Andreas Gebauer, Leiter der Online-Redaktion. Zudem biete das Online-Testergebnis gegenüber der gedruckten Version zusätzlichen Nutzen. Wer etwa einen neuen Kühlschrank sucht und dabei Umweltaspekte nicht wie im gedruckten Test nur mit 20, sondern mit 70 Prozent gewichten will, muss das nur angeben - und die Ergebnistabelle wird entsprechend neu sortiert.

Rund ein Fünftel der Nutzer lassen den zu zahlenden Betrag auf die Telefonrechnung setzen, 80 Prozent entscheiden sich für das System Click and Pay. Das wurde von dem Kölner Unternehmen Firstgate entwickelt, dem deutschen Marktführer für die Abwicklung von Kleinstzahlungen im Internet. Mit Click and Pay kann zahlen, wer sich einmalig mit Namen, Adresse und Kontoverbindung für das Lastschriftverfahren anmeldet. Firstgate registriert dann alle beim Internet-Kauf anfallenden Kleinstbeträge und bucht sie einmal im Monat vom Konto des Nutzers ab. Um Betrug zu vermeiden, wird die Bonität der Kunden nach einem ausgeklügelten System geprüft. So wird etwa kontrolliert, ob die angegebene Adresse tatsächlich existiert und ob sie in einem wohlhabenden oder armen Stadtteil liegt.

Während die bunten Bilder des Playboys zum Zahlen animieren, ist mit News im Internet kaum ein Cent zu machen. Das musste auch der Spiegel feststellen. Seit Februar bietet er die am Montag erscheinende Titelgeschichte schon am Samstag für 85 Cent im Internet an. Doch mehr als 800 Interessenten ließen sich dafür selbst am Wochenende nach dem Amoklauf von Erfurt nicht gewinnen. Dabei ist laut Marktforschung eine offline bekannte Medienmarke noch die beste Voraussetzung für ein erfolgreiches Online-Geschäft. Weshalb sich die meisten Verlage von den bisher schlechten Erfahrungen nicht schrecken lassen. "Die überwiegende Mehrheit plant in diesem Jahr die Einführung von paid content im Internet", sagt Alexander von Reibnitz, Leiter des Bereichs New Media beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Die Zeit sei günstig, denn viele kostenlose Online-Dienste mussten in den vergangenen Monaten das Handtuch werfen.