DIE ZEIT: Herr Bsirske, bei Ihrem Amtsantritt als ver.di-Vorsitzender vor einem Jahr haben Sie "unorthodoxe Aktionen" angekündigt und wollten "von Greenpeace lernen". Inzwischen ist ver.di vor allem mit Arbeitskämpfen, etwa in Kaufhäusern, bei Banken und Versicherungen, im Gespräch. Sind die Gewerkschaften wieder kampfbereiter, härter - und dabei auch traditioneller geworden?

Frank Bsirske: Es hat einen klaren Kurswechsel gegeben. Die Lohnzurückhaltung besonders der Tarifrunde im Jahr 2000, aber auch schon zuvor, hat am Arbeitsmarkt nicht die erhoffte Wirkung gehabt. Gleichzeitig stehen Reallohnverlusten Rekordgewinne gegenüber. Denken Sie nur an Karstadt: Die haben im Jahr 2000 ihren Profit um 37 Prozent gesteigert, 2001 das beste Konzernergebnis seit 20 Jahren bilanziert und die Dividende um sechs Prozent erhöht. Trotzdem will der Vorstand Sozialleistungen streichen, jeder Beschäftigte würde umgerechnet rund 1000 Euro im Jahr verlieren. Das bringt die Leute auf die Palme. Die Menschen wollen einen fairen Anteil an den von ihnen miterarbeiteten Gewinnen.

ZEIT: Und wenn es den nicht gibt, kommt es zu Flächenstreiks?

Bsirske: Darüber entscheiden die Arbeitgeber. Wenn sie verhandlungsfähige Angebote vorlegen, kann es schnell zu Ergebnissen kommen.

ZEIT: Gibt es eine neue, härtere Haltung auch gegenüber der Politik?

Bsirske: Auch gegenüber der Politik werden wir uns frühzeitig und deutlich zu Wort melden.

ZEIT: Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer will die Meinungsführerschaft zurückerobern ...