So beginnt das Szenario, das sich vor 40 örtlichen Polizeioffizieren, Feuerwehr-Einsatzleitern und Katastrophenschutz-Managern entfaltet. Alle paar Minuten erhalten sie vom Spielleiter neue Informationen, mal zutreffende, mal falsche, wie im richtigen Leben. Segment One ist ein kleiner Text über die Ausgangslage und ein Bild vom Museum. Ein schwarzer Pfeil zeigt auf den gelben Bus.

Als in diesem Bus 4000 Pfund Dynamit explodieren, bleibt vom Museum nur noch das Stahlgerüst übrig. Wie viele der 10 000 Besucher den Anschlag überleben, weiß im ersten Moment niemand. Sofort läuft im Planspiel jene Rettungsmaschinerie an, die New Yorks und Washingtons Katastrophenhelfern im vergangenen September weltweite Bewunderung eintrug.

Nach 20 Minuten beginnt Segment Two der Übung. Rettungskräfte messen an der Museumsruine Caesium 137. Der Wind treibt radioaktive Partikel auf das Weiße Haus zu. Plötzlich wird klar: eine "dreckige Bombe", also gewöhnlicher Sprengstoff, ummantelt mit nuklearem Material. Keine Massenvernichtungswaffe, jedoch eine Terrorwaffe.

Sofort verliert Washingtons Rettungselite die Ruhe. Neue Fragen stellen sich: Warum gibt es nicht genügend Schutzanzüge? Warum nicht genügend Spezialkliniken? Warum dauert es so lange, den Ausnahmezustand auszurufen? Als Konsequenz nennt die Spielschreibung in Segment Three jetzt: Panik in der Bevölkerung.

"Die Rettungskräfte scheinen auf so eine Lage gar nicht vorbereitet zu sein", lautet jetzt das Fazit des Spielleiters Philip Anderson vom Washingtoner Center for Strategic and International Studies. Als er am Montag dieser Woche sein Resümee über jene Übung im Frühling veröffentlicht, sitzen vor ihm nicht nur ein paar örtliche Experten. Plötzlich sieht er sich der gesamten Weltpresse gegenüber. Keiner im Saal glaubt mehr, nur von einem Rollenspiel zu hören. Fiktion und Realität gehen in diesem Moment eine sehr amerikanische Verbindung ein.

Denn zwei Stunden vor der Präsentation des Katastrophenszenarios hat sich der Justizminister John Ashcroft vor die Kameras gestellt und die Verhaftung eines Mannes bekannt gegeben, der genau das vorhatte, was das Rollenspiel vorsieht. Der Mann hat offenbar eine "dreckige Bombe" zünden wollen, nicht irgendwo, sondern dort, wo das Rollenspiel stattfindet, in Washington. Während die Rettungselite übte, nahmen die Strafverfolger den Mann fest, der als potenzieller Attentäter gilt. Als die Ergebnisse der Katastrophenübung vorgestellt werden, sehen sich die Berichterstatter als mögliche Opfer. Zwei Blocks vom Weißen Haus entfernt - da könnte jeder dran sein.

Vor dem Saal steht ein Bildschirm, der Medienwirklichkeit und Rollenspiel verknüpft. Im Minutentakt neue Bruchstücke über den Verdächtigen: amerikanischer Staatsbürger puerto-ricanischer Abstammung, 31 Jahre alt. Als Jose Padilla in New York geboren, als muslimischer Konvertit zu Abdullah al Mudschahir verwandelt. Mehrere Jahre lang wegen Raubes und einer Schießerei eingesessen. 1998 nach Pakistan aufgebrochen, Al-Qaida-Kämpfer geworden, von Glaubensbrüdern im Umgang mit Sprengstoff und Radioaktivität geschult und mit dem Stadtplan Washingtons vertraut gemacht. Von der CIA beobachtet und vom FBI bei der Einreise in Chicago am 8. Mai festgenommen. Es ist der lange erwartete zweite Schlag auf Amerika, der gerade noch rechtzeitig vereitelt wurde. Im Saal spricht der Spielleiter davon, ein gut ausgebildeter, entschlossener Einzeltäter könne mit einer dreckigen Bombe Amerikas Hauptstadt lahm legen.