Schaut man nur einmal hin, ist es der plumpe Versuch, mit ein wenig Kosmetik für bessere Zahlen zu sorgen. Der Osten brauche mehr staatliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, verfügt Florian Gerster, Chef der Bundesanstalt für Arbeit - und die Opposition klagt über Manipulation und potenzielle Wählertäuschung: Wer im ABM-Sektor verschwindet, taucht in der Statistik als Arbeitsloser nicht mehr auf. Die Statistik aber ist schlecht für die Regierung - grottenschlecht.

Schaut man zweimal hin, bleibt vom Vorwurf der Manipulation nicht viel übrig. Erstens gab es am Ende der Amtszeit Helmut Kohls 1998 eine halbe Million auf dem "zweiten" Arbeitsmarkt beschäftigte Arbeitslose, heute sind es nur noch 184 000. Zweitens lässt sich die Zahl der ABM-Teilnehmer bis zu den Wahlen nicht so erhöhen, dass dies die schlechte Statistik nachhaltig verbessert. Und drittens macht staatliche Arbeitsbeschaffung Sinn - so lange jedenfalls, wie es auf lokalen Arbeitsmärkten keine regulären Jobs gibt.

Knapp drei Viertel aller Deutschen, die als ABM-Beschäftigte Arbeit finden, leben im Osten. ABM-Arbeiter sind sie nicht freiwillig, sondern deshalb, weil andere Arbeit für sie nicht vorhanden ist - weder in der Fabrik noch am Bau oder im Büro, selbst nicht für fünf Euro in der Stunde. Natürlich sollte jede ABM-Maßnahme für eine bessere Qualifizierung und damit größere Chancen sorgen, auf dem regulären Arbeitsmarkt Arbeit zu finden - was sie heute kaum tut. Aber andererseits: Alle Qualifizierung nützt wenig, wenn sich für den Qualifizierten keine Stelle findet.

Jobs sind Mangelware, nicht nur im Osten. Saisonbereinigt wurde im Mai der stärkste Anstieg der Arbeitslosenzahlen seit fünf Jahren, unbereinigt die geringste Abnahme der Arbeitslosenquote seit neun Jahren verzeichnet. Das ist das eigentliche Problem - und eines, das die Regierung, aller weltwirtschaftlichen Probleme zum Trotz, tatsächlich zu verantworten hat.