Voller Optimismus kündigen die Eidgenossen für die Schau vom 12. bis 17. Juni jede Menge inhaltliche, logistische und serviceorientierte Neuerungen an - von einer komplett erneuerten Beleuchtung über das kulturelle Rundumprogramm auf dem Messegelände und in der Stadt bis zur Qualitätspolizei in Person des früheren Berner Museumsdirektors Toni Stoss, der als ständig ansprechbarer Ombudsmann das Niveau überwacht.

Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr - die Art Basel ist der bevorzugte und konkurrenzlose internationale Marktplatz für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. 900 Galerien hatten sich in diesem Jahr um die Teilnahme beworben; und umgekehrt buhlt die Messe um prominente Teilnehmer. So konnte die Qualität des Reigens von 262 Ausstellern aus Europa, Nord- und Lateinamerika, Australien und Asien mit Werken von rund 2000 Künstlern noch einmal gesteigert werden. Die lang umworbene New Yorker Galerie Zabriskie mit Künstlern wie Marcel Duchamp und Man Ray ist erstmals dabei, ebenfalls Washburn aus New York mit frühen Werken von Jackson Pollock, Mark Rothko und David Smith. Einzelpräsentationen von Francis Bacon (Marlborough Gallery, London) und Andy Warhol (Daniel Blau, München) sollen aber nicht den Blick darauf verstellen, dass die Art Basel aufbauend auf den Klassikern sich ein immer jüngeres Profil zulegt - auch mit den Förderkojen Art Statement und der Sonderschau Art Unlimited, einem Video- und DVD-Studio und zahlreichen Performances, Art Club, Lounge und nächtlicher Disco.

Bis auf eine Ausnahme musste die Art Basel keine Absage hinnehmen. Das spricht für die Courage der Galeristen, weil der verbindliche Anmeldeschluss für die Messe zwei Wochen nach dem 11. September terminiert war.

Das große Potenzial von Sammlern, Kuratoren, Sponsoren und Ausstellern soll in diesem Juni noch intensiver gebündelt werden. In einer "Art Lobby" wird dafür gesorgt, dass beispielsweise der Künstler Jeff Koons oder der Kurator Hans-Ulrich Obrist nicht unerkannt oder unangesprochen über das Messegelände schlendern, sondern mit interessanten Partnern ins Gespräch kommen. "Auf dem Welttreff des Kunstmarktes soll das Network noch enger geknüpft werden", sagt der Messechef Samuel Keller.

Dazu leistet sich die Art Basel auch Riskantes: Unter Panzerglas und ständiger ärztlicher Beobachtung, mit künstlicher Be- und Entlüftung lässt sich der amerikanische Künstler Skip Arnold im Entree auf Zeit lebendig begraben. Wer das Luxuswarenhaus der Kunst betreten will, muss über seine "Leiche" gehen - mit gesenktem Blick oder den Schneewittchensarg einfach ignorierend kommt man nicht davon. Bloß ein Gag - oder eine Metapher für den Kunstmarkt, den viele schon wieder im Aufwind sehen? Oder doch ein Anstoß zum Nachdenken über das Kunstgetriebe? (täglich 11 bis 19 Uhr, am letzten Tag bis 18 Uhr, www.ArtBasel.com).

Und wie immer spielt die ganze Stadt mit. Auch wenn die Art Basel immer mehr auf multimediale, interaktive Künstlerbeiträge setzt, so stellen drei öffentliche Häuser die Frage nach der Malerei. Century on the move - es gibt kein letztes Bild. Malerei nach 1968 heißt die Gemeinschaftsanstrengung von Kunstmuseum, Kunsthalle und dem Museum für Gegenwartskunst (www.mgkbasel.ch). Im Museum Tinguely ist noch bis zum 30. Juni die von Harald Szeemann verantwortete Ausstellung über Marcel Duchamp zu sehen (www.tinguely.ch), die Fondation Beyeler lockt mit Claude Monet ... bis zum digitalen Impressionismus (www.beyeler.com).

Großes Interesse abseits des Messerummels verspricht auch die gerade erst im April eröffnete Fondation Herzog. Vor 30 Jahren begann das Schweizer Ehepaar Peter und Ruth Herzog Fotos zu sammeln, einzelne Abzüge, Vintage-Prints und Fotoalben. Mehr als 300 000 Aufnahmen sind so zusammengekommen. Ein Labor vom Feinsten haben die auf Museumsbauten inzwischen spezialisierten Architekten Herzog & de Meuron ihnen in einer ehemaligen Lagerhalle im angehenden Basler Kulturquartier, dem Zollfreilager Freispitz eingerichtet (www.fondation-herzog.ch). Und nicht zuletzt versucht die alternative Kunstmesse Liste bereits zum siebten Mal in der früheren Brauerei Warteck mit rund 60 jüngeren Galerien Position zu beziehen (www.liste.ch).