Der Donnerstag beginnt für mich etwa um acht Uhr im Büro. Ich telefoniere mit unseren drei Läden, welche Sonderangebote wir nächste Woche haben. Daraus schreibe ich dann die Verbrauchertipps für Radio und Zeitungen. Ab Mittag setze ich mich mit einem großen Pott Kaffee an die Buchhaltung. Ich muss die letzten Daten auswerten, Statistiken erstellen und überprüfen, ob alles richtig gebucht ist. Ich schätze, dass der Umsatz bei uns im normalen Bereich geblieben ist - trotz des Skandals.

Freitag vormittag bin ich zunächst mal mit der Post beschäftigt; und ich habe Zeit, einige Dinge aufzuarbeiten, die über die Woche liegen geblieben sind. Nachmittags habe ich einen Termin beim Rechtsanwalt. Wir treffen uns einmal im Monat. Er gibt mir dann Ratschläge im Firmen- und Verwaltungsrecht, weil wir die Firma umstrukturieren wollen und auch eine Expansion planen. Trotz des Skandals bleiben Bioprodukte im Trend. Es gibt ja auch dieses Ziel von Verbraucherministerin Künast, den Anteil der Bioprodukte in den Läden auf 20 Prozent zu steigern. Aber wenn plötzlich in jedem Supermarkt 20 Prozent der Milch Bio sein soll, muss man sich schon fragen, wo die denn auf einmal herkommen soll. Wir selbst haben damit keine Probleme, weil wir unsere Lieferbetriebe sehr gut kennen, viele Ökohöfe sogar mit persönlichem Eindruck.

Am Samstag mache ich meinen Wochenendeinkauf in einem unserer Geschäfte. Das ist eine halb private, halb berufliche Angelegenheit. Wenn ich schon mal dort bin, spreche ich natürlich mit dem Geschäftsführer: Gibt es irgendwelche Probleme? Wie lief die letzte Kontrolle des Lebensmittelamtes? Was macht das Personal? Außerdem habe ich Gelegenheit, den Kunden in die Einkaufskörbe zu gucken und mit ihnen zu reden - gerade mit denen, die doch ein wenig Vertrauen verloren haben. Ich versuche dann, das Bild wieder zurechtzurücken. Vor allem mache ich ihnen klar, dass kein Ökobauer die Leute belogen hat: Keiner hat Nitrofen eingesetzt, um seine Erträge zu steigern.

Der Sonntag ist mein Ruhetag, da habe ich noch nichts geplant - außer vielleicht einem richtig guten Frühstück. Am liebsten mag ich Biotoast und Brodowiner Landschinken. Natürlich kann auch ich mich nicht ausschließlich von Bioprodukten ernähren. Manchmal muss es auch der Supermarkt um die Ecke tun. Aber bei bestimmten Sachen - wie zum Beispiel Fleisch - gibt es bei mir nur Bio.

Am Montag treffe ich mich um zehn Uhr mit einer Journalistin, die für eine russische Zeitung schreibt. Es geht um einen Artikel über gesunde Ernährung und Bioprodukte. Ich bin selbst gespannt, was für Fragen da auf mich zukommen. Am Nachmittag habe ich ein Gespräch mit dem Vertreter einer Firma, die ein Rabattsystem anbietet.

Dienstag kommt eine Ernährungsberaterin im Büro vorbei. Sie schreibt für unsere Website. Wir werden gemeinsam besprechen, welche Themen wir in den nächsten Monaten in den Mittelpunkt stellen wollen; ganz sicher wird die "Gesunde Ernährung in den Sommermonaten" eine Rolle spielen. Um 15 Uhr habe ich einen Termin beim Steuerberater. Da wird sich zeigen, ob ich am Donnerstag vorher alles richtig aufgearbeitet habe.

Am Mittwoch erledige ich einige private Dinge - vorausgesetzt, es kommt in der Firma nichts dazwischen. Beim Nitrofen-Skandal mussten wir auch rasch handeln. Wir haben bei unseren Lieferanten recherchiert und vorsorglich die Hähnchenschenkel aus der Tiefkühltruhe genommen. Da fehlte ein Laborbericht. Nach zwei Tagen war aber klar, dass alles in Ordnung ist. So bin ich mit dem Kopf immer bei der Arbeit. Selbst wenn ich abends mit meiner Frau zusammensitze, sprechen wir übers Geschäft.