Diese Diagnose war dem Gastgeberland offenbar Motivation genug, den Eindruck nicht auf sich sitzen zu lassen: Schon am Erscheinungstag der ZEIT war die These durch die Schnelllebigkeit des Fußballs eingeholt, ja, man muss sagen, überholt worden.

Die Bilder vom 2 : 0-Sieg der Koreaner über Polen zeigten enthusiastische Koreaner in überschäumender Freude. Überall im Land strömten Hunderttausende auf die Straße, um ihre Helden zu feiern. Die Behörden meldeten, dass solche Massen wie in Seoul das letzte Mal Anfang der achtziger Jahre gesichtet worden seien, damals als Demonstrationen für die Demokratie. Die TV-Einschaltquoten schnellten von sonst in Spitzenzeiten üblichen 34,4 Prozent auf 74,1 Prozent nach oben. Und schon vor den nächsten Spielen der Koreaner hatten Firmen und Schulen angekündigt, an diesem Tag die Tore geschlossen zu halten.

Doch bei aller echten Freude: In Korea sind an den zehn Spielorten über 70 000 Menschen unterwegs, die sich als Supporter zur Verfügung stellen - damit die WM auch an Tagen ohne koreanische Beteiligung wie eine richtige WM aussieht.