Man kann sich nun wahllos irgendetwas anschauen, man kann sich aber auch für das einzig Richtige entscheiden, etwas, das einem Kraft gibt für öde Stunden, in denen man auf das Fernsehen verzichten und gezwungenermaßen in Kontakt mit anderen Menschen treten muss. Diese Stunden können gefährlich werden, wenn man moralisch nicht gefestigt ist, wenn man nicht dem erlesenen Kreis des Herzensbildungsbürgertums angehört.

Vater Eric lauert darauf, der Familie Gespräche aufzuzwingen

Wer im Kreise einer Familie seinen Auftrag als Fernsehzuschauer ernst nimmt, hat nur eine Wahl: Eine himmlische Familie. Die einzige TV-Serie in Deutschland - neben Alf -, in der eine intakte Familie die Hauptrolle spielt.

Normalerweise werden Familien in Fernsehserien nur noch als Ansammlungen möglichst unzurechnungsfähiger Charaktere präsentiert. Zwei Sodomiten, die mit einer lesbischen Großmutter einen jungen Vampir großziehen, sind ein angesagtes Familienmodell.

Die Himmlische Familie besteht dagegen aus ganz normalen Menschen: Vater (Eric), Mutter (Annie) und fünf Kindern (Matt, Mary, Lucy, Simon, Ruthy) - deshalb heißt die Serie im Original Seventh Heaven. Bislang konnten wir hierzulande fünf Staffeln verfolgen, im Herbst beginnt endlich die sechste, und in Amerika drehen sie schon an der siebten.

Durch die geschickte Wiederholungstechnik von Vox war es uns möglich, einige Folgen mehrmals zu sehen, ohne dass es einem je langweilig geworden wäre. Auch noch bei der letzten Wiederholung werden sich aktive Väter etwa die Frage stellen, ob Eric wohl so konsequent bleiben würde, Tochter Lucy den Besuch der Party zu verbieten. (Er hat es tatsächlich viermal geschafft!) Sich vorzustellen, Lucy wäre die eigene Tochter, bereitet dabei extrem große Probleme, denn sie hat so eine hinreißende Art, beleidigt, fatalistisch und gleichzeitig einsichtig-hysterisch zu gucken, die einem Erziehungsberechtigten das Herz brechen kann.

Für Neueinsteiger ist die Serie problemlos zugänglich. Es dreht sich alles um die Familie Camden, und es bleibt auch alles in der Familie. Vater Eric ist Pfarrer einer Gemeinde in Glenoak, einer fiktiven Kleinstadt in Kalifornien, seine Frau Annie hat mal studiert, versorgt jetzt die Kinder, und die Kinder machen das, was Kinder so machen: Sorgen und Freude. Pro Folge wird ein Problem durch die ganze Familie dekliniert. In der Familie Camden wird dafür eine furchtbare Waffe eingesetzt: das klärende Gespräch.