Fünf Jahre schon dauert das Kartellverfahren der US-Regierung gegen den mächtigen Softwarekonzern Microsoft. Vieles spricht dafür, dass Richterin Collen Kollar-Kotelly noch im Sommer ein Urteil spricht - und Microsoft weitgehend ungeschoren davonkommt. Für Bill Gates' Unternehmen, dessen Programme weltweit rund 90 Prozent aller Computer steuern, wird mit der Entscheidung trotzdem nicht die große Freiheit beginnen.

Eine technische Zeitenwende gefährdet die Machtbasis des Monopolisten. Die Computerindustrie steht am Anfang einer tief gehenden Veränderung, vergleichbar mit jener am Anfang der achtziger Jahre. Damals machten Personalcomputer Hardware zur Massenware. Die Musik spielte fortan in der Softwarebranche. Darüber stolperte beispielsweise der damalige Marktführer IBM. Er unterschätzte die neue Konkurrenz und ihre Kleinrechner und steckte am Ende mit mehr als acht Milliarden Dollar in den roten Zahlen. Jetzt deutet vieles darauf hin, dass sich die Geschichte wiederholt. In den nächsten Jahren werden Online-Dienste aller Art ins Zentrum des High-Tech-Geschehens rücken. Microsoft läuft Gefahr, dass sein Programm Windows langsam, aber sicher seine zentrale Rolle in der Softwarewelt verliert.

Dabei hätte alles so gut werden können für Microsoft. Wenn es nach dem amerikanischen Justizministerium ginge, stünde das Unternehmen schon lange nicht mehr vor dem Kadi. Denn das Ministerium hatte Microsoft bereits vor Monaten einen schmeichelhaften Vergleich angeboten. Charles James, Washingtons oberster Kartellwächter, begnügte sich darin im Wesentlichen mit Verhaltensmaßregeln, die zudem noch mit Ausnahmen gespickt sind. Microsoft darf etwa PC-Herstellern nicht mehr damit drohen, ihnen die Nutzungslizenz für Windows vorzuenthalten, wenn sie Programme der Konkurrenz installieren. Aber sonst behält die Firma absolute Souveränität über Windows und kann neue Software nach Gutdünken in das Betriebssystem integrieren.

Im Prinzip könnte sich Microsoft damit wieder genauso verhalten wie in dem Fall, der dem Unternehmen das Kartellverfahren einbrachte: Es verquickte Windows und Internet Explorer, um den Web-Browser seines damaligen Konkurrenten Netscape aus dem Markt zu drücken.

Wird Windows zum Baukasten?

Deswegen weigerten sich neun amerikanische Bundesstaaten, den Vergleich zu unterschreiben. Sie berufen sich dabei auf eine gerichtliche Feststellung aus dem vergangenen Sommer: Microsoft habe mehrmals sein Monopol missbraucht, um Netscape und anderen Konkurrenten wie Sun Microsystems das Leben schwer zu machen. Geht es nach den Kartellwächtern der Bundesstaaten, soll das Unternehmen künftig gezwungen sein, eine Billigversion von Windows anzubieten - ohne Browser und andere Internet-Software, etwa für E-Mail oder Musikdateien. Das würde den Wettbewerb ankurbeln, argumentieren sie. Computerhersteller wären dann eher geneigt, auch Programme anderer Firmen auf ihren Rechnern zu installieren.

Ihre Kollegen in Brüssel denken in die gleiche Richtung. Sie wollen Microsoft vorschreiben, seine Videosoftware - Media Player genannt - und Windows in Zukunft getrennt anzubieten. Dieses Vorhaben könnte einen weiteren transatlantischen Antitrustkonflikt auslösen. Charles James warnte seine europäischen Kollegen bereits, dass ihre Überlegungen in den USA auf wenig Begeisterung stoßen.