Da trat ein Mann an mich heran, der Begleiter einer um die Wette kochenden ZEIT- Leserin, welche den ersten Preis nicht gewonnen hatte und ziemlich unglücklich im Raum stand. Der Mann aber strahlte und schüttelte mir die Hand: »Gott, bin ich froh, dass das endlich vorbei ist! Seit drei Wochen musste ich Tag für Tag dasselbe Menü essen. Immer wieder hat sie es geübt und zuerst die Verwandtschaft zum Probeessen eingeladen, dann Freunde und Bekannte und schließlich Hinz und Kunz. Jetzt ist endlich Schluss mit Ingwer, keine Kaninchenroulade mehr und kein Erdbeerparfait auf dem Schokoladenspiegel! Können Sie sich vorstellen, wie froh ich bin, Herr Siebeck?«

Es dauerte danach noch einige Stunden, bis auch die Teilnehmer auf den Plätzen zwei bis vier bekannten, dass es trotzdem Spaß gemacht habe.

In Baden-Baden war das kein Wunder, denn dort fand das Wettkochen in Brenner's Park Hotel statt, das erst kürzlich aufwändig und geschmackvoll renoviert wurde, wovon auch die ZEIT- Leser profitierten, denen die vergrößerte Küche zur Verfügung stand. Einige mochten sich sogar etwas verloren darin vorgekommen sein, denn die Speisen wurden der Jury nur lauwarm vorgesetzt, obwohl die Juroren praktisch in der Küche saßen. Zur Kunst des Kochens gehört aber auch, ein Essen so zu präsentieren, dass die Teller heiß sind und die Produkte den richtigen Garpunkt nicht unter- oder überschritten haben.

Letzteres ist besonders beim empfindlichen Fisch entscheidend für die Qualität. Damit hatten die Teilnehmer in Baden-Baden gottlob keine Schwierigkeiten. Vor allem der Petersfisch der beiden Sieger (Pascal von Kamp und Kilian Schäfer aus Stuttgart) war perfekt gegart, das heißt noch leicht glasig. Ihn umgaben die jungen Köche (23 und 20 Jahre!) mit einer sehr fein abgestimmten Limettensoße mit Ingweraroma.

Schon ihr erster Gang unterschied sich vorteilhaft von den Vorspeisen der anderen Teilnehmer (wobei ich die herrlich scharfe Hummerkrabbensuppe des Herrn Maßat aus Konstanz ausnehme). Die beiden Stuttgarter kochten nämlich einen Flan aus Hühnerlebern (gâteau de foies de volaille au caramel de porto), ein anspruchsvolles Gericht der feinen Küche. Nicht aus ihrem Rezept ersichtlich war der kalte Haufen Friséesalat, der abschließend auf den Tellern auftauchte und den Erfolg der beiden fast gefährdet hätte. Das grobe Grünzeug wirkt neben dem zarten Flan wie ein Schneemann im Treibhaus.

Hinreißend: Taubenbrust, gefüllt und perfekt gegart

Ebenfalls riskant, aber nur in technischer Hinsicht, war das hinreißende Taubenkotelett des Herrn Thomas Richter aus Bad Schönborn. Er füllte Brust und die entbeinte Keule einer Taube mit Foie gras, Pistazien und einer Geflügelfarce und garte das Kunstwerk im Schweinenetz auf den Punkt genau. Dazu servierte er ein Püree aus Petersilienwurzel und Sellerie. Den fertigen Teller dekorierte er pathetisch mit dünnen grünen Spargelstangen. Die Jury in Baden-Baden bestand aus den Vertretern der ZEIT, aus Alfred Klink, dem Küchenchef des Colombi-Hotels in Freiburg, sowie traditionell aus dem Hauskoch des gastgebenden Hotels, in diesem Fall Rudolf Pellkofer. Das Gremium hatte es schwer, nach dem ersten Preis die Leistungen der drei anderen Mitbewerber zu klassifizieren, weshalb es sie als gleichwertig bezeichnete und drei zweite Plätze verlieh.