Webspace ist billig. Die Internet-Provider unterbieten einander mit Sonderpreisen für die Einrichtung von Internet-Seiten. Schon für fünf bis zehn Euro pro Monat kann sich jeder Privatmensch oder Verein ein hübsches Eckchen im Internet einrichten.

Teuer dagegen kann der Datenverkehr werden. Das bekam der Wuppertaler Abiturient Fabrice Gerdes Ende Mai zu spüren: Der Internet-Dienst Strato forderte von ihm zusätzlich zu der Pauschalgebühr plötzlich einen Betrag von 9500 Euro. Statt der üblichen 300 Megabyte waren 650 Gigabyte Daten aus Gerdes' nichtkommerzieller Seite wupperchat.de abgerufen worden - mehr als das 2000fache, und das an einem einzigen Tag. Ein bislang nicht identifizierter Surfer, der dem Schüler offenbar Übles wollte, hatte mithilfe eines automatischen Programms eine kleine Bilddatei 30-mal pro Sekunde abgerufen und so den gigantischen Datenstrom erzeugt.

Nur wenigen Besitzern von Homepages ist bewusst, dass sie für den Datenverkehr auf ihren Seiten zur Kasse gebeten werden können. Denn oft ist in den Verträgen mit den Providern nur eine bestimmte Datenmenge pro Monat frei - danach wird kassiert. Dagegen ist im Prinzip nichts zu sagen, schließlich müssen die Dienstleister selbst für die Leitungen bezahlen. Aber muss der Kunde eine derartige Diskrepanz zwischen der günstigen Grundgebühr und der späteren Rechnung hinnehmen? Der Rechtsanwalt Tobias Strömer, Experte für Internet-Fragen, hat da seine Zweifel: "Das riecht nach Wucher." Fabrice Gerdes argumentiert, der Provider hätte den ungewöhnlich gestiegenen Datenverkehr bemerken und seinen Kunden warnen müssen.

Vor Gericht wird der Fall wahrscheinlich nicht kommen - Strato will Gerdes ein Kulanzangebot machen. Außerdem hat der Abiturient Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Denn eine derart eindeutige Netzattacke ist eine strafbare Handlung. Um den Urheber ausfindig zu machen, ist man allerdings meistens auf die Hilfe der Staatsanwaltschaft angewiesen, denn anhand des eigenen Internet-Protokolls kann der Geschädigte nicht sehen, von welchem Computer aus der Bösewicht sein Spiel getrieben hat.

Unerwartet starker Datenverkehr muss aber nicht immer kriminelle Hintergründe haben. Vor ein paar Monaten flatterte dem Schüler Alex Knoll eine hohe Rechnung ins Haus. Auf seiner Homepage lag eine selbst produzierte, zotige Version von Johnny Cashs Ring of Fire, die durch eine Erwähnung in Stefan Raabs Show TV total über Nacht populär wurde. Der Internet-Provider hatte ein Einsehen und erließ dem jungen Mann die Rechnung.